Grenzgang Großrinderfeld-TauberBischofsheim

Grenzgang. Das Buch von Stephan Thome "Grenzgang" erweckte wieder das Interesse an Grenzgängen. Mit der Hoffnung, sie mögen auch so turbulent sein wie die alle sieben Jahre im hessischen Biedenkopf stattfindenden. In dem eine ganze Kleinstadt ein Wochenende lang im Ausnahmezustand ist. Männergesellschaften Berghänge erstürmen. Frauen ausbrechen, Grenzen überschreiten wollen. Eingefangen werden. Grenzgänger mehrfach hoch geworfen werden. Erotische Eskapaden gefördert werden.

 

In TauberBischofsheim ist der Grenzgang allerdings heutzutage ein sehr individueller, vereinzelter. Durch die Eingemeindung von Dittigheim, Dittwar, Dienstadt, Hochhausen, Impfingen ist die Notwendigkeit eines Grenzganges wesentlich eingeschränkt worden. Gehören diese Orte ja nun zur eigenen Gemeinde. Die TauberBischofsheimer Gemarkung wird nur noch mit den eigenständigen Gemeinden Großrinderfeld, Grünsfeld, Königheim und Werbach begrenzt. Der Grenzgang zwischen TauberBischofsheim und Großrinderfeld verläuft größtenteils im Wald und nicht direkt entlang von Wegen. Das erschwert den Grenzgang.

 

Gehrig/Müller berichten in "Tauberbischofsheim. Beiträge zur Stadtchronik" von solchen Grenzgängen, die einen Haufen Leute auf die Beine brachten: "Der Amtmann, die beiden Rentmeister, die vier Landschieder, außer ihnen noch vier vom Rat, der Stadtschreiber und sonst viel Leut mit freiem Willen, anderthalbhundert." 1749 wurden 115 Grenzsteine entlang der Gemarkung gezählt. Die Grenzsteine waren sowohl am unteren und oberen Ende mit jeweils drei B (B = Bischofsheim) und dem Mainzer Rad versehen. D. h. auch auf dem im Erdboden versenkten Teil gab es eine "hoheitliche" Markierung des Steines. Die obere war desöfteren verloren gegangen, sei es weil Wagenräder dagegenfuhren, sei es durch Abschlagen. Möglicherweise haben sich die drei B der Grenzsteinmarkierung auch in das Bischofsheimer Stadtwappen abgefärbt, wenn auch erst ab 1849. Die drei B bedeuten also jeweils Bischofsheim. Und nicht Bischofsheim Bischof Bonifatius wie es böse Bischemer Buwen herumflunkern. Diese Dreifachnennung eines Buchstabens auf Grenzsteinen, Siegeln und Wappen war in unserem tauberfränkischem Raum sowieso keine Seltenheit. 

 

Vor Jahrzehnten suchte man nach einer direkten Verbindung zwischen Hammberg (Hainberg) und dem Wald im Grund. Da es diese nicht gab, lief man an den kürzesten Stellen quer durch den Wald und traf dann auch die Gemarkungssteine, die die Grenze zwischen  TauberBischofsheim und Großrinderfeld markieren. Dabei tauchte auch immer die Frage auf, wohin das Teufelsloch eigentlich genau entwässert. Die Antwort ist einfach: Fast immer entlang der Gemarkungsgrenze. Inzwischen gibt es einen kleinen direkten Durchgang zwischen Hammberg und dem Grundforst. Der ganz kurz die Gemarkungsgrenze zwischen TauberBischofsheim und Großrinderfeld tangiert.  

 

Auch entlang der Alten Würzburger Straße verläuft teilweise die Gemarkungsgrenze. Allerdings sitzen die Steine einige Meter neben der Straße, meistens von Vegetation verhüllt. Sie begleiten die Alte Würzburger Straße ab Waldanfang Großer Forst einige Hundert Meter weit. Von Büscheme aus in Richtung Würzburg gesehen linker Hand. Dann führt die Gemarkungsgrenze auf der anderen Seite wieder zurück. Geht dann über das Gewann Böse Hof zum Schwarzen Feld. Unten am neuen Gewerbegebiet von Büscheme-Großrinderfeld sitzen an der Böschung zwei prächtige Gemarkungssteine. Dann verläuft die Gemarkungsgrenze Büscheme - Großrinderfeld über die Äcker hinunter in den Grund, Graben. Trifft dort auf die Grenze zwischen Büscheme und Grünsfeld.

 

 

Interessant wäre auch die Frage, ob noch alte Geleitsteine zu finden sind. Mit den Buchstaben BD versehen. Bischofsheimensis Ductus - Bischofsheimer Geleit. Also Steine, die den Geleitweg zwischen TauberBischofsheim und Würzburg markierten. Allerdings zeigen alte Lagepläne des Geleitrechtes, dass die alte Würzburger Straße nicht unbedingt mit diesem Geleitweg übereinstimmen muss. Andererseits stellt sich die Frage aufgrund der Topographie, wo der Geleitweg stattdessen hätte verlaufen können. Siehe dazu auch die Hinweise unter Alte Würzburger Straße   

 

Die Gemarkungssteine sind äußerst reichlich gesetzt. In vielen Formen. Ein Grenzgang findet deshalb die wunderschönsten Exemplare. Sogar Dreimärker, wenn von drei Gemeinden die Grenzen an diesem Punkt zusammenliefen. Auch wenn hier der Grenzgang selbst einigermaßen beschwerlich ist, da direkt im Waldsaumbereich verlaufend. Also stark vegetationsberührend. Dennoch. Der Grenzgang lebe hoch.

 

Am Herrentisch war eine der Stationen des Gemarkungsumganges. Des Grenzganges. Der liegt zwar im Tannenwald. Hier wurden die Grenzgänger mit Speis und Trank bei einer Rast versorgt. Wenns was zum Trinke und Esse gibt. Der Grenzgang lebe erst recht hoch. Er ruft nach erneuter gemeindlicher, gemeinschaftlicher Institutionalisierung und Begehung. Ein schönes historisches bischemer Projekt der Revitalisierung.

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 


 

 

 

 

 


 

 

 


 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

Der Büschemer Gemarkungsgrenzgang, genauer die Grenzgänge, werden von mir nach Augenschein, also altertümlich, nach altem Gebrauch, durchgeführt. Ohne exakte Kartenkenntnisse der Grenzen. Das macht das Auffinden oft problematisch. Man muss halt dafür suchen, die Augen aufmachen, herumlaufen bis etwas gefunden wird. Dann die Linienführung auf dem Gemarkungsstein beachten und in der angegebenen Richtung weiterlaufen, weiter suchen. Seltener entdeckt man einen Gemarkungsstein so aus dem Nebenbei. Zum Beispiel bei einer Busfahrt nach Würzburg. So wie bei diesem schlecht aus dem Busfenster heraus geknipsten Grenzstein am schwarzen Feld, beim Paimarer Weg:

 

 

 

 

 

 

  

Bei passender Gelegenheit wird der Gemarkungstein etwas besser abgebildet. Die alte Paimarer Brücke wollte ja auch schon immer wieder mal aufgesucht und geknipst werden. 

 

Nun erledigt:

 

 

 

 

 

 

 

 

 Siehe auch Grenzsteine - Gemarkungssteine