Moosigbrünnlein

Wenn Sagen wahr wären. Oder man ihren wahren Kern freilegen könnte, ihn entdecken, ihn deuten, ihn verstehen könnte. Sagen unterliegen einer langen mündlichen Überlieferung. Dann einer schriftlichen Fixierung, in der das Gehörte, das Verstandene niedergelegt wurde. Oft fügte der die Sage Festhaltende eigene Erklärungen, Erläuterungen, Namen von Personen, Namen von Flurgewannen hinzu. Manchmal passend, oft eher verschleiernd, neue Rätsel in die schon seltsame Sage einfügend.


Büscheme hat einige Sagen, die sich mit den Wasserläufen, den Quellen, den Brunnen beschäftigen. In der Gegenwart sind allerdings nur noch wenige Quellen auf Büschemer Alt-Gemarkung zu finden. Am Bekanntesten wohl das Silberbrünnlein, das auch heutigen Kinder noch ein Begriff ist, da gern in Familienausflüge einbezogen. Die eiserne Mühle ist zudem ein erstklassiger Gegenstand der Vergegenständlichung. Ein Bild, das man sich gut merken kann. Das Daawärdle dagegen, genauer die Quelle am Daawärdle hat sich dagegen knapp auf Dittigheimer Gemarkung verzogen.


Hendrik Beierstettel hat versucht, die Orte der Büschemer Quellen wieder genauer zu lokalisieren. Manfrau siehe auf seiner ausgezeichneten Fotoseite unter Büschemer Brühe nach. Z. B. die Suche nach dem Wernersgründlein, nach dem Fronbrunnen. Noch etwas spurenlos die Hungerquelle, die sich am Edelberg befand.


Eine schöne Wiederentdeckung gelang Hendrik Beierstettel in diesem Jahr 2018 mit dem Moosichbrünnlein. In der eisigen Winterkälte mit ganz kalten Winden stieg er in die Edelberghohle hinein, um den frostigen Einflüssen etwas zu entgehen. Er fand viel in den Graben geworfenen Müll und Schrott. Steine, Eimer, Reifen, Flaschen, Plastikbehälter. Und er fand einen geformten Stein, der wie geplant aufrecht an der Böschung stand. Viel Erde verschüttete den Bereich um den auffälligen Stein. Aus dem Stein führte ein Metallrohr. Zunächst versuchten wir diesen Fund zu interpretieren. Eine alte Wegbefestigung, wie es sie früher an einigen Stellen der Hohle gab. Dazu war aber der Stein zu klein, das Rohr zu schmal. Und der Stein stand auf der anderen Seite der Grabenböschung, also nicht an der Straßenseite. Hendrik Beierstettel führte deshalb sorgfältig eine kleine Grabung an dieser Stelle aus. Und entdeckte nach Wegschaffen der aufgehäuften Erde das längst vergessene Moosichbrünnlein. Eine in Steinen gefaßte Quelle. Kaum hatte er die Erde beseitigte, begann es wieder aus dem Rohr zu tröpfeln. Das Moosichbrünnlein gab also immer noch Wasser, wenn auch eher im bescheidenem Umfang. Das Moosichbrünnlein fand sich also an einem erstaunlichen Ort. In den Sagen wurde die Stelle auch nie genauer bezeichnet, nie in Details charakterisiert. Nie, dass sie in der Hohle zu finden war. Auch nie, dass sie sich so nahe an der zweiten Brücke über die Edelberghohle befand, also am Anfang des Moosig. Fast noch beim Gewann Kühruh. Noch gegenüber den Ausläufern des Edelberges. Unterhalb der Wernersquelle.


Die Sage gibt an, dass der Bauer, der die Quelle mit Quecksilber vergiftete, einen Acker in der Nähe des Moosigbrünnleins hatte. Die Leute, die in diesem Bereich arbeitete, liefen über dieses Feld, um an das Brünnlein zu gelangen. Merkwürdigerweise steht in Sage der Hinweis, dass sie dabei dem Bauer das Gras zertraten. Acker und Gras schließen sich allerdings aus. Gras deutet eher auf eine Wiese hin. Oder war hier das Gras am Ackerrand gemeint? Auch das wurde früher fleißig genutzt. Feldfrevel, Grasfrevel wurde bestraft, war Anlaß zu Streit. Auf welcher Seite der Edelberghohle befand sich der Acker bzw. der Grasbereich? Die neue Würzburger Straße gab es möglicherweise zur Zeit der Entstehung der Sage noch nicht, da erst um 1890 erbaut. Im diesem abgeflachten Bereich könnte sowohl eine Graswiese oder ein schmaler Ackerstreifen Platz gefunden haben. Auf der anderen Seite befindet sich heute noch ein Acker. Allerdings kaum noch ein Grasstreifen.


Wurde das Moosigbrünnlein aus Absicht zugeschüttet oder nach und nach von den losen Erdkrümeln am sehr steilen Böschungshang verdeckt? Ein querliegender Kirschbaumstamm verhinderte das Abrutschen von Erde und an den Rand geworfener Feldsteine. Insofern könnte hier das Moosigbrünnlein bewußt verschüttet worden sein. Eventuell floß auch kaum noch Wasser aus der Quelle, weswegen man sie nicht mehr aufsuchte und deshalb langsam ihre genaue Lage vergaß.


Gibt das Moosichbrünnlein heute immer noch quecksilberhaft vergiftetes Wasser ab, wenn auch nur noch spärlich und tröpfchenweise? Geht hier noch der Geist des Bauern um? Hatte das Wasser des Moosichbrünnlein vor der Vergiftung eine heilende Wirkung? Es soll ja nach der Verseuchung am Liebfrauenbrünnlein herauskommen, Viele Fragen stellen sich. Raum für Nachdenken, für Spekulationen ist gegeben. Ein guter Fund. Man sollte doch öfters in die Büschemer Gräben und Schluchten hinein.


Hinweise in Sagen zum Moosichbrünnlein finden sich  TuD 87. Wernersgründlein (18); TuD 88. Moosigbrünnlein    (19)


Die Auffindungsfotogeschichte des Moosichbrünnlein durch Hendrik Beierstettel unter Moosigbrünnlein