Trinkhalle Giller als Wille und Vorstellung   

Beim Giller, beim Kiosk Giller, bei der Trinkhalle Giller, einem kleinen, allein stehenden Kiosk an der Tauberbrücke, Ostseite, gegenüber dem Gasthaus Taubertal, heute spurlos dem Erdboden gleich gemacht, war eine wichtige Station des Wechsels vom einem Stadtteil zum anderen. Wenn die alte Oma Giller den Verkauf managte, gab es Versuche, aufgrund ihrer Sehschwäche, auch Mark und Pfennig ähnliche runde Gegenstände zur Bezahlung einzureichen. Im Vorfeld des Kiosk waren auf beiden Seiten Ständer aufgereiht. Ein reichhaltiges Angebot an Zeitungen, Fix&Foxi, Perry Rhodan, Kicker, Fussballwoche, Konkret, Jasmin, Pardon und so. Ende der 1960er Jahre zogen auch erotische, eher pornographische Blätter in die Ständerfächer. St. Pauli Nachrichten. Auch die UZ gab es. Nationalzeitung. Bayernkurier. Abendblätter, die es längst nicht mehr gibt.  Aber auch Zeitschriften, auf denen plakativ Underground aufgedruckt war und das persönliche Interesse weckten. Die meisten Zeitschriften und Hefte waren schon vom längeren Aushang angegriffen. Die Tüten mit einklebbaren Bildern von Fussballern wurden hier gekauft. Nach dem Fussballtraining trank man gern hier noch eine kalte Cocacola. In späteren Jahren auch gern mal ein Bier. Zur Frankfurter Allgemeinen Zeitung dazu. Wenn ein Spaziergang an einem kalten Wintertag anstand auch gern ein Fläschlein Jägermeister oder Sechsämter. Das half auch, wenn die erste Mannschaft des TSV’s sonntags zuhause antrat und der Spielverlauf wenig her gab. Der Giller war durchaus frequentiert, wenn auch im Innenraum nur wenig Platz war. Da kamen nur Spezialgäste rein. Man konnte gut beim Giller herumstehen. Einige standen fast immer dort. Die Toilette wurde in der Natur gesucht. Wenn Bedarf war. Ebenso spärlich war der Parkraum. Was sich dann gegenüber den neu aufkommenden Tankstellenshops als nachteilig erwies und zum Ende des Gillerschen Kiosks führte. Als Kunde laut wurde, dass der Giller abgerissen wurde, traf man sich im Hammel, um die Gründung eines Vereins zur Erhaltung der Trinkhalle diskutieren. Ein gut besuchtes Treffen. Diskutiert wurde unter anderem das Thema der Trinkhalle Giller als Wille und Vorstellung. Anektoden wurden eingebracht. Reichlich getrunken wurde dazu. Der Abend war legendär. Blieb legendär. Blieb einmalig. Die Trinkhalle wurde abgerissen. Und ist jetzt leider nur noch reine Vorstellung. Ein Besuch der Trinkhalle Giller war auf jedenfalls in den 1960er, 1970er und 1980er Jahre büschmerische Pflicht. Nun Stadtgeschichte.


Ein knalliges Ende der Fast-Food-Kultur

Mit einem lauten Knall verabschiedete sich der McDonald in Tauberbischofsheim von seinem zumeist mehr jugendlichen Publikum. Mit einem explosiven Knall am frühen Morgen des 10. Augusts 2014. Die traurige Nachricht verbreitete sich über Whatsapp schnell unter der heimischen Jugend, die ein wichtiges Domizil auf lange Zeit überraschend verlor. Eltern müssen nun ihre Kinder wieder mit richtigem Essen versorgen. Z. B. mit Zemmede und Biereschnitz, Kreddelflaasch und Kreddelsubbe, Schwardemoache, Schnäggenudel mit Hutzeln, Buwespitzli und Öpfelbrei, Zwüwwelkuche, Quätschichploatz.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Tod am Tauberufer

 

 

 

 

 

 

 

Sühnekreuze, also Blutkreuze bzw. Schwedenkreuze geben Auskunft über Stellen, an denen sich ein Totschlag, ein Mord ereignet hat. Früher. Im 16. Jahrhundert änderte sich das Recht und Totschlag wurde dann auch vor dem Centgericht behandelt und unterlag dessen Strafregister. Vorher konnten sich die Familien auf ein Blutgeld einigen.  Die Blutkreuze auf TauberBischofsheimer Flur stehen eher am Rand der Flur. Oft an einsamen, schwer einsehbaren Stellen. So das Mordkreuz im Brückenwald, das Blutkreuz in der Grundhohle (Richtung Großrinderfelder Forst), das Blutkreuz auf dem Brenner, und die Sühnekreuze an der Laurentiuskapelle. Ebenso standen Richtplatz und Galgenleite, Hinrichtungsorte des Schwertes und des Galgens von der Stadtmitte entfernt. Ebenso die Viertelspitze am Edelberg-Schlössersberg, an der ein Viertel von Gevierteilten aufgehängt wurde. Im Bauernkrieg rückte der gewaltsame Tod direkt in die Stadt ein, da auf dem Marktplatz einheimische Anführer der rebellischen Bauern- und Bürgerschaft mit dem Schwert hingerichtet wurden. Im Wiesenbachwald, am Hang des alten nun verborgenen Weges nach Gissigheim steht der Metzgerstein. Dieser dankt, dass der Metzger bisher oft diesen einsamen Bereich queren konnte, ohne Schaden am eigenen Leib. 1806 wurde ein französischer Soldat beim Fouragieren (Eintreiben von Lebensmitteln - den Einheimischen gehörend) in Bischofsheim getötet.  Auch 1866 zog der Tod ins Stadtgebiet ein, an der Bahnlinie, im Stadtinnern, besonders an der Tauberbrücke. Allerdings fiel auch ein Teil der Württemberger Soldaten unterhalb des Laurentiusberges, in der Edelberghohle zwischen Laurentiusberg und Brenner. Am 31. März 1945 wurde nur im Ostteil der Stadt ein schwacher Widerstand geleistet. Die erst einige Jahre zuvor erbaute Tauberbrücke sollte gesprengt werden. Was mißlang. Vom Sprait her nahmen die US-Amerikaner die rechte Tauberseite unter Beschuss. Acht Menschen starben in einem Haus in der Julius-Berberich-Straße. 

 

2007 ereignete sich am rechten Tauberufer ein gewaltsamer Tod, dessen brutalste Umstände die für heil gehaltene Welt von Tauberbischofsheim erschütterte. Eine Tat, über die ausführlich in den Medien wie der Spiegel berichtet wurde. Viel wurde analysiert, um diese Explosion der Gewalt an einem Nachmittag in einer Kleinstadt zu erklären. Eine Kleinstadt ist nicht mehr nur noch eine Gesellschaft auf kleinem Umfang zusammengefügt. Die Kleinstädte haben enorme Ränder bekommen, Randbereiche. Die Kleinstadtgesellschaft hat sich seit den 1980er Jahren stark ausdifferenziert. Am wirtschaftlichen Erfolg partizipieren aber nicht alle gleichermaßen. Nicht alle nehmen an der Beschleunigung des kleinstädtischen Lebens teil.  Am Kleinstadtrand, nicht mehr in der Kleinstadtmitte, sammeln sich die aus der Arbeits- und Alltagswelt Herausgefallenen, das obligatorische Sixpack aus den Tankstellenshops beziehend. Auch die kleinstädtischen Subkulturen entfalten sich dispers, außerhalb der früher bestimmenden kleinstädtischen Sozialkontrolle. In der Kleinstadt kennt schon lange nicht mehr jeden, wird auch nicht mehr jeder permanent beobachtet. Die Einschränkungen der früher absolut dominanten kleinstädtischen Sozialkontrolle zeigte sich in einem erschreckendem Maß anhand des Totschlages einer jungen Frau in Tauberbischofsheim, als eine stark alkoholisierte Gruppe junger Männer in einem vernachlässigtem Stadtteil tagsüber einen offenen Einbruch in eine Wohnung durchführen konnte, eine offene Spur der Gewalt hinterließ, indem die junge Frau nahezu öffentlich Stunden lang gefoltert und in der Tauber ertränkt wurde. Die heile Welt einer Kleinstadt, die von Politikern oft beschworen wird, hält der heutigen Realität einer Kleinstadt nicht mehr stand, der sozio-kulturellen Öffnung, der Erweiterung der Lebenswelt mit neuen Stilen, Kulturmixen, steht auf der Negativseite die kleinstädtische Nebenwelt der Looser, der Chancenlosen  deutlich gegenüber.

 

Einige Zeit lang stand an der Todesstelle ein hölzernes Kreuz, das an die Gewalttat am Tauberufer, unterhalb von Lidl und McDonald, erinnerte. Eine Tat, fast unter den Augen der kleinstädtischen Öffentlichkeit vollbracht, da hier viele Spaziergänger, Jogger, Radfahrer vorbeikommen.