Schlösserbergsweg


Der äußerst schmale Weg hoch zur Schlösserbergsseite des Edelberges scheint auf den ersten Blick ein typischer Weg durch eine (ehemals) rebensetzte Hangseite zu sein. Einige Steinrasseln sind an diesem Hang zu finden, obwohl seine Lage nicht allzu günstig für einen Weinberg liegt. Aber die alten Weinbergsbebauer wußten schon, wo sie die Reben anpflanzten. Denn den Schlössersberg erreichen viele Sonnenstrahlen bis in den Herbst hinein. Auf der rechten Seite des Weges sind an einigen Stellen Trockenmauern zu finden, wie so oft bei Weinbergswegen.


Typischerweise ist dagegen die linke Seite, hangabwärts bei einem Weinbergsweg aufgefüllt. Das ist hier allerdings nicht der Fall. Der Weg gräbt sich hier ein, bildet öfters einen Hohlweg. Der linke Rand des Weges ist also meistens höher als die Wegsohle. Eine interessante Abweichung. Hatte der Schlössersweg andere Funktionen? Ist er möglicherweise älter als die Rebanlage des Edelberges? Fuhren hier beladene Wagen, die sich immer mehr in den Boden eingegraben haben? Allerdings ist die Hohlwegbildung nicht allzu tief. Haben möglicherweise nur temporär beladene Wagen den Hohlweg ausgeformt? Nahm der Geleitweg von Büscheme nach Würzburg eine Zeit lang hier seinen Verlauf? Oder kommt die Hohlwegbildung von Fuhrwerken, die in bzw. aus Richtung des Forstbuckels kamen? Von der ackerbaulichen Bebauung? Oben beim ersten Querweg, an dem auch der Schlösserbergweg endet, ist eindeutig ein noch älterer Weg erkennbar, der parallel zum „modernen“ Querweg Richtung der alten Würzburger Straße verläuft, dem chaussierten Geleitweg.


Insofern zumindest denkbar, dass der Geleitweg zu früherer Zeit zeitweise hier verlaufen ist. Solche Abweichungen, Umfahrungen waren durchaus üblich, wenn die Wegstrecke des Geleitweges unpassierbar war, sei es durch schlechten Zustand, sei es durch großen Baumwurf. Die Reparatur von Straßen war Jahrhunderte lang mehr als mangelhaft. Wenn viele Bäume über den Geleitweg fielen, waren die nicht in kurzer Zeit entfernbar. Dann wurden Umwege genommen, auch wenn diese von der Topographie her nicht die günstigsten Streckenverläufe boten.


Leider hat sich die Geleitwegsforschung dem konkreten Verlauf der Büschemer Geleitwege nicht angenommen, gibt es bisher keine richtig guten FeldForschungen dazu. Als ob das völlig uninteressant wäre, wie auf Büschemer Gemarkung die frühen Geleitwege verliefen. Man begnügt sich mit der alten Würzburger Straße, mit der Külsheimer Straße, wohl in der Annahme, dass die Geleitwege immer über diese Trasse verlaufen wären. Nur Hugo Pahl mit einer selbst gezeichneten Karte im Besitz der Tauberfränkischen Heimatfreunde zeigte mit einem sogenannten Lohnweg auf, dass es in Büscheme einen alten Höhenweg in Richtung Großrinderfeld gegeben haben muss. Und Hans Werner Siegel wies in seinem Stadt- und Geschichtsführer von Büscheme und in einem Zeitungsartikel zu den Quecksilberbohrlöcher auf dem Sprait darauf hin, dass auf der anderen Tauberseite der alte Geleitweg über den Sprait zog. Auch Ogiermann gab 1955 in seinen Bemerkungen zu den Geleitwegen im Büschemer die Notiz, dass es zwei Wege in Richtung Würzburg gab. Also Hinweise von profunden Kennern der Büschemer Geschichtslandschaft, aber in der Literatur zum Geleitweg zwischen Miltenberg – Büscheme – Würzburg bisher völlig unbeachtet, unbekannt. Man kümmerte sich lieber um die großen Fische, sprich Geleitstöcke wie die vier Meter hohen Bildstockriesen am Wald über dem Irtenberger Forsthaus. Und überlies den Rest dem Lauf der Geschichte. Also dem Seitenaus für diese bisher nicht richtig gestellte Frage nach dem Verlauf der Geleitwege auf Büschemer Gemarkung, aber auch auf Großrinderfelder Gemarkung. Zeit also sich um den Schlösserbergsweg zu kümmern und seine möglicherweise bisher verborgenen Funktionen.