Grenzsteinpfad

Großrinderfeld ist ein kleines Wunder im Nebenbei der zahlreichen Kleindenkmalmarkierungen auf Großrinderfelder Gemarkung gelungen. Ein kleines Wunder im Zuge von Grenzsteinerkundigungen, von Grenzgängen. Ein kleines Wunder, das in diesem Bereich äußerst selten ist. Sitzen doch viele der Grenzsteine, vor allem die Gemarkungsgrenzsteine, Waldgrenzsteine, oft an schwer zugänglichen, schwer einsehbaren Stellen in der Landschaft. Am Rande, von üppiger Vegetation ummantelt, oft im Boden versunken, oder gar durch mechanische Bearbeitung schwer beschädigt. Grenzsteingänge sind so auch immer eine Art von Schwerstarbeit, um bessere Zugänglichkeit zu den Grenzsteinen zu schaffen. Großrinderfelder Aktivisten, die sich besonders um die Markierung der Kleindenkmale verdient gemacht haben, haben an der Gemarkungsgrenze Großrinderfeld – Impfingen, Großrinderfeld – (Tauber)Bischofsheim einen kleinen Pfad geschaffen, eher zu den Wartungsarbeiten, aber im Nebeneffekt zur Erkundung der vielen wunderbaren Grenzsteinen, der Hohlen, der Gräben, der Waldsäume dienen könnend. Dieser Grenzsteinpfad führt durch eine wunderbare, ansonsten eher versteckte Landschaft, die kaum eine(r) vorher kannte. Ein Grenzsteinpfad, der seinesgleichen sucht. Auch der längst vergessene alte Fußweg von Grünsfeld nach Impfingen, der teilweise an der Gemarkungsgrenze verläuft, wurde so wieder begehbar. Bisher ist der Grenzsteinpfad nicht wandertouristisch erschlossen, nicht als solcher eindeutig markiert. Orientierung geben aktuell der kleine Pfad und die vielen kleinen roten Schildchen an den Grenzsteinen. Es droht möglicherweise die Gefahr, dass der schmale Pfad nach Abschluss der Markierungsarbeiten wieder zuwächst und der Grenzgang in diesem Bereich erschwert, verunmöglicht wird.

Was ist zu sehen? Wo genau verläuft der Pfad? Gestartet werden kann der Grenzgang auf diesem Pfad beim Mordkreuz, Schwertkreuz am Waldrand des Hohen Weges, des Impfinger Weges nach Großrinderfeld beim Großen Forst. Neben den Gemarkungsgrenzen, bzw. parallel verläuft meistens auch die Waldgrenze des ehemaligen churmainzischen Forstes, erkennbar an den CM-Grenzsteinen. In direkter Nähe des imposanten, aber verborgen stehenden Steinkreuzes finden sich mehrere Hohlen. Diese zeigen an, dass hier sich schwere Transportwagen in den Waldboden eingegraben haben. Bei Unpassierbarkeit probierte man die Durchfahrt an benachbarten Stellen. Es handelt sich hier um einen ganz alten FernWeg von Büscheme über den Hamberg (Hambergshohle!) auf den Höhenrücken um Großrinderfeld herum in Richtung Würzburg bzw. Kleinochsenfurt (Mainübergänge). Vermutlich auch der Verlauf des früheren Geleitweges. Dazu hat Großrinderfeld in einem weiteren Projekt Informationstafeln an wichtigen Landschaftsteilen aufgestellt. Ein ebenso informativer Gegenpart dazu auf Büschemer Gemarkung fehlt allerdings.


Recht schnell trifft der kleine Pfad auf zwei außergewöhnliche Grenzsteine. Grenzsteine, die rechtwinklig ums Eck gehen. Zwei solcher ganz seltenen Steine sind hier zu sehen. Jeweils mit CM (Churmainz) gekennzeichnet. Ungewöhnlich ist auch der Verlauf des Pfades. Zum einen zieht er an vielen Stellen im Waldsaum, also nicht am Waldrand, seinen Weg. Der Wald ist also mit der Zeit  nach außen gewachsen, die Grenzsteine sitzen deshalb im Wald verdeckt. Zum weiteren folgt der zumeist schmale Grenzpfad vom Teufelsloch aus in die Senke des Forstgrundes. Ein mächtiger Dreimärker markiert die gemeinsame Gemarkungsgrenze von Großrinderfeld, Impfingen und Büscheme. Nach Angaben in einem alten Landschiederbuch war der Dreimärker eines Tages verschwunden. Die Impfinger vermuteten deshalb einen großen Landverlust einschließlich wertvollen Holzes zugunsten Büschemes. Genaueres dazu ist noch bei Hendrik Beierstettel (https://wandertauber.wordpress.com/) in Bearbeitung.

Im Forstgrund folgt eine erstaunliche Fortsetzung des Grenzsteinpfades, da die Grenzsteine wie in einer großen rechteckigen Einbuchtung in die Großrinderfelder Gemarkung sitzen. Auch hierzu werden die historischen Forschungen in den Landschiederbüchern durch Hendrik Beierstettel (https://wandertauber.wordpress.com/) genauere Auskunft geben. Ein extra ausgehobener Graben entlang der Gemarkungsgrenze verdeutlicht diese. Mit so einem Graben war man früher vor Grenzstreitigkeiten sicher. Solche Grenzgräben wurden gezogen, wenn die Landschaftstopographie keine natürlich markante Grenze vorgab. Auch hier ist der Wald im Laufe der Zeit über die Gemarkungsgrenze hinaus gewandert. Der deutlich sich abbildende Graben könnte seine Entstehung allerdings auch einer Wegnutzung verdanken. Es gab am Anfang des Forstes zum Forstgrund herunter wohl einen Weg. Vermutlich den Weg von Grünsfeld nach Impfingen, von Impfingen nach Grünsfeld, also den Grünsfelder Weg, Impfinger Weg. Der über Büschemer Gemarkung teilweise verlief. Eine deutlich erkennbare kleinere Hohlenstruktur könnte auf Nutzung durch Fuhrwerke hinweise.


Unterhalb der alten Würzburger Straße folgt eine weitere Sensation der Grenzsteingeschichte. Erneut ist der Grenzverlauf durch einen kleinen Graben verdeutlicht. Zwei uralte Grenzsteine von 1490 sind im Verlauf zu finden. Mit einer sehr besonderen Geschichte. Verwiesen sei erneut auf die aktuell laufenden Forschungen von Hendrik Beierstettel (https://wandertauber.wordpress.com/). Die 1490er Steine tragen ein b für Bischofsheim. Stehen aber auf Großrinderfelder Gemarkung. Diese Grenzsteine wurden also zwei Jahre bevor die Indianer Kolumbus entdeckten aufgestellt. Einem Großrinderfelder gelang es bei aufmerksamer Waldbegehung, die wertvollen Steine unter einer kräftigen Vermoosungsschicht zu finden und damit wieder zu entdecken und der Grenzgängerei wieder verfügbar zu machen. Der Grenzsteinpfad folgt im sogenannten Hänglein der Waldgrenze zwischen heutigem Staatswald und privaten Waldgrundstücken. Und endet bisher am 1. Stellweg. Insofern läßt sich der Grenzsteinpfad im schattigen Wald bei einem Ausgangspunkt Büscheme mit einem Spaziergang über die Hambergshohle zum Mordkreuz am Teufelsloch und einer Rückkehr über die Alte Würzburger Straße bestens verbinden. Von Großrinderfeld aus mit einem Anmarsch zum Teufelsloch über den Impfinger Weg und Rückkehr über die Alte Würzburger Straße.


Ein wunderbarer Pfad, der erhalten bleiben sollte. Der für die Grenzgänge äußerst wichtig ist. Aber auch für erholsame Spaziergänge im Waldrauschen nutzbar ist, wenn auch nicht für Rollatoren, Kinderwägen, Rollstühle, Fahrräder. Und mit geringem Aufwand markierbar und pflegbar wäre. Auch für touristische Zwecke. Entwicklungspotential ist also vorhanden. Könnte auch ein schönes Beispiel von interkommunaler Zusammenarbeit zweier Gemeinden werden, da der Grenzpfad ja entlang der Grenze von Großrinderfeld und Büscheme mit Impfingen verläuft. Bisher sind in Büscheme und in der sehr weiteren regionalen Umgebung noch keine Grenzsteinhäufungen so zugänglich, wie hier nun im Großen Forst. Hier gilt eindeutig: Großrinderfeld First! Großrinderfelder Forst First. Möge sich Büscheme beeilen. Chancen erkennen und nutzen. Mitnutzen. Der Grenzpfad ist auch ein sehr schönes Beispiel, welch besondere Qualität durch intensives und anhaltendes Bürgerengagement geschaffen werden kann, wenn Visionen und gelungene Umsetzung vorhanden sind. So können auch im ländlichen Raum kleine Wunder geschaffen werden. Die im Grunde genommen große Wunder sind. Sehr große Wunder. Früher war es sehr schwierig die beiden fast benachbarten Rinderfeld zu unterscheiden. Spät kam die Unterscheidung mit Groß und Klein. Rinderfeld. Make Rinderfeld Groß again ist aktuell unnötig. Großrinderfeld hat mit dem Grenzsteinpfad wahre Größe bewiesen. Kulturelle. Geschichtliche. Und das ist gut so. Dennoch. Die wahre Größe zeigt sich in den Personen, die die Arbeit machen, leisten, umsetzen. Und die hat GroßRinderfeld.




Mordkreuz (Schwertkreuz) Teufelsloch


Weghohle Teufelsloch, Tauberbischofsheim - Hamberg - Teufelsloch - Großrinderfelder / Impfinger Weg
CM (ChurMainz) Stein


CM Eckstein
CM Eckstein
PW Stein
Dreimärker (Tauber)Bischofsheim - Großrinderfeld - Impfingen
Vermooster Gemarkungsgrenzstein (Tauber)Bischofsheim - Impfingen
Gemarkungsgrenzstein Großrinderfeld - (Tauber)Bischofsheim
Ehemaliger Weg Impfingen - Grünsfeld
CM Stein
Gemarkungsgrenzstein Großrinderfeld - (Tauber)Bischofsheim Forstgrund - Hänglein
Rechteckweg Forstgrund - Hänglein
Eingesunkener Gemarkungsgrenzstein Großrinderfeld - (Tauber)Bischofsheim
Waldgrenzstein Kurmainzer Rad 1783
Grenzgraben
Gemarkungsgrenzstein Großrinderfeld - (Tauber)Bischofsheim mit neuer Kleindenkmalsmarkierung
Gemarkungsgrenzstein Großrinderfeld - (Tauberbischofsheim), Großrinderfelder Wappen
Grenzgraben mit Gemarkungsgrenzstein
Waldgrenzstein Großer Forst - Mainzer Rad
1490er Grenzsteinweg Hänglein
CM Waldgrenzstein, Mainzer Rad
V.R. Stein
1490 b Stein
Hänglein Schild
1490 b Grenzstein


Grenzsteinpfad im Forst (schwarz-blau gestrichelte Linie)