Gemarkungsgrenzsteine - Gemarkungssteine

Bischofsheim hat Gemarkungsgrenzen gegenüber Dittigheim, Dittwar, Dienstadt, Hochhausen, Impfingen, Großrinderfeld, Grünsfeld, Grünsfeldhausen, Königheim. Alte Gemarkungssteine sind an den Grenzlinien positioniert. Und das seit Jahrhunderten. Die Gemarkungssteine zwischen Dittigheim und Tauberbischofsheim waren auch Grenzsteine unterschiedlicher Herrschaften. Nicht nur einfach nur Kennzeichnung einer anderen Ortsgemeinde. Was Jahrhunderte alte Rivalität verständlich macht. Die heute immer weniger auftritt. Der älteste Gemarkungsstein soll in den Grünsfelder Tannen gestanden haben. Von 1308. Laut Hugo Pahl in seinem Bändchen Bischemer Bösi Buwe. Hier finden sich neben dem Mainzer Rad drei kleingeschriebene b. Auf der Rückseite das G für Grünsfeld. Das große B, dann dreifach vorhanden, wurde erst wesentlich später bei den Grenzsteinen für Bischofsheim genutzt. Tatsächlich aufgefunden hat ihn in den letzten Jahrzehnten keiner mehr. Ob er wirklich von 1308 war. Die Büschemer Grenzstein-Kids, der Grenzsteinsuchhund Lumi und Hendrik Beierstettel haben 2019 in langer systematischer Vergleichsarbeit Indizien gefunden, dass dieser verschwundene Stein von 1508 sein müsste. Er sieht im Vergleich zu den Gemarkungsgrenzsteinen von 1508 genauso aus, hat das selbe erhabene Wappenschild. Ebenso die drei kleinen b, und das gleiche Mainzer Wappenrad. 


"38 Kilometer lang ist die alte Gemarkungsgrenze von Bischofsheim, etwas mehr als 240 Grenzsteine haben sie nicht nur entdeckt und frei geschnitten, sondern auch mit Wurzelbürsten vom Moos befreit, um die Inschriften zu entziffern. Außerdem erstellten sie eine Dokumentation. Jeder Stein wurde fotografiert, mit einer Nummer versehen, um eine Doppelerfassung zu verhindern, und genau beschrieben. Der älteste Grenzstein, den sie entdeckt haben, steht bei Dittwar im Brehmbachtal und trägt die Jahreszahl 1474. Bei diesen frühen Steinen gibt es noch ein Wappenschild, bei den anderen ist das Mainzer Rad direkt in den Stein gemeißelt. Auch die Speichenzahl variiert.


Ähnlich wie ein kleiner Pfeil auf den Leitplanken an der Autobahn die Richtung zur nächsten Notrufsäule weist, ist es auch bei den Grenzsteinen. „Als wir diese Markierungen entdeckten, waren die Kinder kaum zu halten, weil sie den nächsten Stein finden wollten“, so Hendrik Beierstettel. Die „schlaue Lumi“, wie Jonne die Hündin nennt, war manchmal sogar schneller. Sie preschte voran und wies den Feldgeschworenen so den Weg zum nächsten steinernen Zeitzeugen.

Zahl vermutlich falsch gelesen

Die Suche nach dem von Pahl beschriebenen Stein aus dem Jahr 1308 blieb allerdings erfolglos. Trotz stundenlanger Suche war der nicht aufzufinden. Hendrik Beierstettel recherchierte daraufhin nach. Grenzsteinexperten sind sich einig, dass es kunstvoll gefertigte und mit Jahreszahl und Wappen versehene Grenzsteine erst ab dem 15. Jahrhundert gab. Da die Grenzstein-Jungs einige Steine aus dem Jahr 1508 fanden, vermuten sie nun, dass Pahl die vermutlich verwitterte Zahl schlichtweg falsch gelesen hat." Heike von Brandenstein, Fränkische Nachrichten vom 13. Juli 2019. Siehe

https://www.fnweb.de/fraenkische-nachrichten_artikel,-tauberbischofsheim-grenzstein-jungs-mit-entdeckergeist-_arid,1484354.html

 

Ein Grenzgang entlang der Grenze TauberBischofsheim - Großrinderfeld zeigt das Spannende eines solchen Ganges. Siehe dazu unter:  

Grenzgang Bischofsheim-Großrinderfeld  

 

Sechs Hefte mit Verzeichnis der Grenzsteine und genauen Beschreibungen des Grenzverlaufes finden sich im Stadtarchiv. Weitere im Staatsarchiv Würzburg. Da ließe sich doch ein Stoff daraus machen. Besonders wegen fest gehaltener Grenzstreitigkeiten. Die könnte man doch wieder aufleben lassen. Und besonders den Grenzgang als gemeindlichen Akt. Leider sind einige der Grenzsteine nur funktionslos und ungeordnet im Tauberfränkischen Museum versammelt. Bar ihrer territorialen Bedeutung zusammen gestellt. Zudem sind nicht alle hier aufgestellten Grenzsteine Gemarkungsgrenzsteine. Die Erstellung eines Verzeichnisses, die Verortung auf Lageplänen, die fotografische Ablichtung der Grenzsteine, eine genaue Beschreibung der Wappen und Inschriften, die Wiederbelebung des Grenzganges wären schöne historische Projekte. Den ersten Teil haben die Grenzstein-Kids, der Grenzsteinsuchhund Lumi und Hendrik Beierstettel preisgekrönt im Frühjahr 2019 geleistet. Herbert Baumann veranstaltete in Zusammenarbeit der Tauberfränkischen Heimatfreunde und des Spessart-Vereins einige Jahre lang Teilwanderungen entlang der Gemarkungsgrenzen.


 

1580 wurden in der Grenzbeschreibung 99 Gemarkungs-Grenzsteine aufgelistet. 1749 dagegen schon 115. Die Begradigung der Tauber, der Ackerbau, der Truppenübungsplatz, Ausweisung des Gewerbegebietes TBB/Großrinderfeld usw. führten zu einer Verminderung des Bestandes von Gemarkungssteinen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Grenzsteinfeld beim Schloss

 

Grenzsteinfeld beim Schloss.

 

 

 

 

 

 

 

Dreimärker

 

 

Dreimärker markieren den Gemarkungsgrenzpunkt, an dem drei Gemarkungsgrenzen zusammenlaufen, wie im Wiesenbach die Gemarkungen von Büscheme, Dittwar und Königheim, im Forst die Gemarkungen von Büscheme, Impfingen und Großrinderfeld. Von Büscheme, Dittigheim und Grünsfeld. Am Rinderbach von Büscheme, Dienstadt und Königheim. Bei der Holzflur von Büscheme, Hochhausen, Dienstadt. Im Rödensteingraben von Büscheme, Grünsfeldhausen, Großrinderfeld.


Der älteste Dreimärker, Büscheme-Dittiche-Grünsfeld, am Rand des Truppenübungsplatzes, am Waldrand stehend, das Gewann Dreieckiger Stein erinnert an ihn, ist nun beim Schloß platziert. Beim kleinen Seiteneingang.

Dreieckiger Stein Büscheme-Grünsfeld-Dittiche; Dreimärker

 

 

Dreimärker TBB-Dittwar-Königheim, Wiesenbachwald

 


 

 

  

 

 

Die "jüngsten" Gemarkungssteine

 

Um 1840 wurden an markanten Stellen einige Gemarkungssteine neu gesetzt. Dabei wurde größere Grenzsteine als bisher verwendet. Sie ragen auch deutlicher als die früheren aus der Erde heraus. An der Büschemer - Dittigheimer Grenze wurde nochmals 1863 ein mächtiger Gemarkungsstein gesetzt. An der Büschemer - Großrinderfelder Grenze noch nach 1870. Wohl damit auch die jüngsten Gemarkungssteine auf Büschemer Gemarkung.

 

 

 

 

 

 

Gemarkungsstein von 1863

 


Gemarkungstein von 1876

 

Gemarkungsstein von 1872

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Ende eines Gemarkungssteines

 

 

Das Ende eines Gemarkungssteines

 

 

 

Viele Gemarkungssteine sind inzwischen verloren gegangen. Oder wurde an eine andere Stelle gesetzt. Um das tauberfränkische Museum im Schloß herum. Hier hat ein Landwirt einen mächtigen Gemarkungsstein voll getroffen. Hier könnte ein weiterer Verlust auftreten.