Bauernkrieg und TauberBischofsheim 1525


 

Im 13. und 14. Jahrhundert wurde der Bau der Stadtmauer begonnen. Sie war ca. 12 Meter hoch und 1 1/2 Meter breit. Über 20 Türme verstärkten die Wehr. Es gab nur zwei Tore, das obere und das untere Tor. Im Westen war der Stadt eine Vorstadt vorgelagert. Diese besaß zwei zusätzliche Tore, eines am "Alten Gymnasium", heute Polizei und das Schaftor am Schafweg. Die von Mauern eingeschlossene Stadtfläche betrug 13,5 ha. Höchster Turm der Türmerstum. Der Grundriß der Stadt war relativ einfach gegliedert. Eine Hauptstraße in West-Ost-Richtung mit den Prachtbauten, ein großer Marktplatz und der Bereich um die kurmainzische Burganlage waren die dominierenden Achsen und Punkte. Die Seitengassen (Armengasse, heute Frauenstraße, Liobastraße, Gartenstraße, Blumenstraße, Badgasse, Manggasse, Untere, Mittlere und Obere Gasse) waren geprägt von den Häusern der Häckerfamilien und der kleinstädtischen Unterschichten, der Tagelöhner, Kleinbauern, Handwerker.

In Tauberbischofsheim läßt sich nur noch teilweise die sozial-ökonomische Topographie und Typologie des Weinanbaus anhand der Siedlungsquartiere und der Gestaltung der Häuser ablesen. In der Hauptstraße und am Marktplatz finden wir die Wohnungen und Höfe der reichen Weinhändler und Weinbauern, später der Kaufleute, die die Häuser der Weinhändler nach dem Niedergang des Weinanbaus größtenteils übernahmen. 

In den Seitengassen hatten die hoch verdichteten, kompakt besiedelten Wohnquartiere der Tauberbischofsheimer Häcker und Weinbauern, z. B. die "Dörgei" (Verballhornung von Torculus = 
Kelter? Siehe dazu: Dörgei) ihren Platz. Deren Häuser und Gehöfte wurden und werden allerdings konsequent abgerissen. In einigen Jahren wird es keine baulichen Zeugnisse dieser über die Jahrhunderte hinweg prägenden Lebens-, Arbeits- und Wohnkultur mehr geben. 


Um die Kirche stand ein großes Quartier der Häcker, das fast vollständig abgerissen ist: Die Häuser der Weinhäckerzunft, der Weinbruderschaft, der St. Urbans-Bruderschaft vor der Kirche, nun ein banaler Rasenplatz. Teile des Schmuckfachwerkes fanden ihre Wiederverwendung als vorgehängte Fachwerkattrappe der Sternapotheke. Der Neubau der Kirche, der Bau des Mainkaufhauses, die neuen "winkeligen" Ladengeschäfte haben den Standort eingenommen. Ehemalige Freiräume und Gärten im Stadtkern waren zuvor längst überbaut worden. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich gerade diese einfachen Häuser oftmals verändert, wobei Teile der oft mittelalterlichen Bausubstanz einfach weiter verwendet wurden. 

Nach 1945 wurden viele dieser Quartiere dem Verfall preisgegeben. Man wohnte nun in den Neubaugebieten. Danach übernahmen die Einwanderer und EinwanderInnen die billigen Mietswohnungen der Altstadt. Inzwischen grassieren Flächenabriße, um Platz für die Ladengeschäfte und neue innenstädtische Wohnkultur des finanzkräftigen oder sich verschuldenden Mittelstandes zu machen. Aber auch die alteingesessenen Familien haben das Bedürfnis nach neuem Wohnraum und Lebensstandard. Die jüngeren Generationen errichten nun neue Häuser auf dem Standort der alten Wohnhäuser, sanieren die alte Bausubstanz oder bauen um. Durch diese Patchwork artige Neu- und Weiterbebauung verändert sich zwar auch das historische Bild, aber es bleibt trotzdem ein Restcharakter des Quartierbildes bewahrt. Den alten Häckerquartieren wird noch manch sehnsüchtiger Hilferuf nachgeschickt. 

TauberBischofsheim war über Jahrhunderte eine Stadt des Weines. Das Rebareal war größer als das vorhandene beackerbare Land. Dazu ist zu berücksichtigen, daß der Weinanbau von einer wesentlich höheren Intensität als der Ackerbau war. Auf einem flächengleichen Stück war der nötige Arbeitsbedarf im Weinanbau um das Zehnfache höher als auf Ackerland. Der mögliche Ertrag korrespondiert in dieser Höhe. 1839 hatte die Gemarkung Tauberbischofsheim allein 216 Ha Edelreben, dagegen 1934 nur noch 1,5 ha. 


Der Besitz an den Weingärten war ungleich verteilt. Den besitzenden Adeligen, Stiften, Klöstern, Weinbauern stand die Masse der besitzlosen Häcker gegenüber, die die Weinberge bearbeiteten. Bögner, Chandelle, Martin, Steinam - so hießen die großen reichen Weinhändler Bischofsheims. 1744 wurde das barocke Bögner-Haus mit doppelter Freitreppe und Heiligenfiguren um das Portal beim Tauberbischofsheimer Marktplatz erbaut. Weitere, ältere Weinhändlerhöfe und -häuser sind noch zu entdecken, bzw. Reste davon.



Spurenorte/Gebäude:

 

- Kurmainzisches Schloß: ab 1250 erbaut als Wasserburg, Sitz des kurmainzischen Amtmanns für den hiesigen Bereich bis 1803.

- Faktoreihof des "Hoch-, Erz- und Domstifts Mainz". Über dem Eingang Steinskulptur des Schutzheiligen St. Martin.

- Marktplatz mit Rathaus. Auf dem Marktplatz traten die Bischofsheimer vor dem (alten) Rathaus zusammen, um per Fußabstimmung über die Beteiligung am Bauernaufstand zu entscheiden. Einhellig traten die (abstimmungsberechtigten) Bürger auf die Seite der Bauern.

- Sebastianuskapelle: Der Tympanon über dem Eingang der 1476 - im Jahr des Pfeifers - erbauten Kapelle, gibt in seiner Darstellung die Stimmung im Taubertal wieder: Auch Bischöfe wandern in den Höllenschlund.

- Die heutige Kirche steht auf dem Standort der alten. Allerdings wurden die wichtigsten Häuser der Weinbruderschaft, das Zunfthaus der Weinbergshäcker, das zwischen der Kirche und dem heutigen Landratsamt, stand, abgerissen. In der alten Kirche waren zwei Bilder von Matthias Grünewald. Das Kreuzigungsbild 1523 stellt Jesus als unterdrückten Bauern dar. Die Leiden des Herrn sind die Leiden der Bauern: 

"Der Maler Mathis Gothardt-Neidhardt, genannt Grünewald, malte zwischen 1512 und 1515 für den Altar des Antoniterklosters in Isenheim die Kreuzigung Christi. Das Werk reflektiert die spannungsgeladene Situation am Vorabend der deutschen frühbürgerlichen Revolution. Die Leiden des Gekreuzigten sind als Leiden des Volkes in der feudalen Ausbeuterordnung deutbar. Grünewalds Christus ist eine Bauerngestalt, deren gekrümmte Finger beschwörend zum Himmel gestreckt sind: Anklage und Aufruf zum Widerstand zugleich. Als der große Künstler 1523/1524 das Motiv erneut in einem Altarbild für die Stadtkirche in Tauberbischofsheim aufnahm, da steigerte er noch diese Gebärde, rückte er die ans Kreuz geschlagene Bauerngestalt ganz in den Vordergrund, so als wüßte er, daß die Ausgebeuteten in Stadt und Land den Aufruf zum Widerstand bereits vernommen hätten und die Erhebung gegen feudale Ausbeutung und Knechtschaft unmittelbar bevorstand." (Günter Vogler, Die Gewalt soll gegeben werden dem gemeinen Volk - Der deutsche Bauernkrieg 1525, S. 192f.) 

In der Kirche ist an einer Säule mit der St. Urbanstatue der Rest des ehemaligen Weinhäcker-Altares aus der St. Peterskapelle vorhanden: "Die Statue des hl. Papstes und Märtyrers Urbanus, die man aus der Peterskirche hierher versetzte, ist von dem berühmten Bildhauer Riemenschneider. Die Figur trägt ganz die eigentümlichen Merkmale dieses Meisters: den ausdrucksvollen, edlen und lebendigen Kopf, die schiefe, auf der Seite eingezogene Haltung und den zierlichen Faltenwurf. Es ist eines der besten Werke des kunstreichen Bürgermeisters von Würzburg. St. Urbanus ist Patron des Weinbaues und wird heute noch in der ganzen Gegend viel verehrt." (J. Berberich, Geschichte der Stadt Tauberbischofsheim und des Amtsbezirkes 1895, S. 208) Am 25. Mai war St. Urban, Papst und Märtyrer; an diesem Tag und an jedem Vierteljahr einmal war das Jahresgedächtnis (Seelenamt) für die Häckerzunft, die Urbanus- oder Weinbauernbruderschaft.

Eine weitere Riemenschneider-Figur, die Madonna auf der Mondsichel, ist heute in der Berliner Skulpturen-Galerie ausgestellt.

- Sgraffito-Arbeiten im Treppenhaus des Landratsamtes: 1.) Hans Böhm, der Pfeifer vom Niklashausen, 2. Florian Geyer berennt mit seinem fränkischen Haufen die Feste Marienberg, 3. Die tauberfränkischen Bauern erleiden 1525 bei Königshofen eine vernichtende Niederlage, Erstellung 1959, Gemeinschaftsarbeit von Sepp Biehler (Boxberg) u. Otto Horlbeck (Grünsfeld). Auch auf den Weinbau wird eingegangen (Vgl. Anton Schwan (Hg.): Heimatbilder - Die Steinschnitte im Landratsamt Tauberbischofsheim. Folge 1 der Schriftreihe "Ein Landkreis baut auf").

- Im Tauberfränkischen Museum im kurmainzischen Burgschloß finden sich nun Kopien der Grünewald-Bilder ("Tauberbischofsheimer Tafeln") "Kreuzigung" und "Kreuzschleppung". Die Wirtzburgische Chronik von 1748 blättert einen Bericht über den 2. Juni 1525 auf.  Holzschnitte und Stiche geben die Ansichten des mittelalterlichen Taubertals mit seinen unbewaldeten Hängen und Höhen wieder.

-  Straßen: Grünewaldstraße, Riemenschneiderstraße.

-  Gebäude/Schulen: Matthias-Grünewald-Gymnasium, Matthias-Grünewald-Sporthalle, Riemenschneider-Realschule. In der Riemenschneider-Realschule sind Kopien von Leuchterengel von Tilman Riemenschneider.





Bauernkriegschronik:


5. April  1525
Der kurmainzische Keller Asmus Grünsfelder in (Tauber)Bischofsheim berichtet vom Aufstand in Mergentheim und aller Dörfer der Gegend. Das Würzburgische Lauda fordert sämtliche Dörfer seines Amtes auf, zu den Aufständischen zu ziehen, darunter auch die Einwohner von (Groß)Rinderfeld, das zur Hälfte in das mainzische Amt (Tauber)Bischofsheim gehört. Auch das zum würzburgischen Lehen, aber zur mainzischen Diözese gehörende leuchtenbergische Amt Grünsfeld ist mitsamt der Landschaft (Impfingen, Dittigheim u. a.) im Aufruhr. Ebenso Bewegung im Amt (Tauber)Bischofsheim, z. B. Dittwar. Die Bewohner der Amts- und Zentdörfer ziehen in ihre Amtsstädte, um sich zu informieren. Von den aufständischen Städten und Dörfern (Lauda, Grünsfeld, Dittigheim, Impfingen usw.) ziehen Bauern und Bürger nach TauberBischofsheim, um die dortigen aufstandswilligen Häcker zu unterstützen.
6. April
Rat und Bürgermeister der Stadt (Tauber)Bischofsheim versichern Treue gegenüber Statthalter Wilhelm und bitten um Ratschlag und Hilfe.
Die Städte Krautheim und Ballenberg schreiben Aufmahnungen an die Räte der Städte Buchen und (Tauber)Bischofsheim, Weiterleitung von Kopien dieser Schreiben durch die Keller Nicolaus Grünwaldt (Buchen) und Asmus Grünsfelder ((Tauber)Bischofsheim) an den mainzischen Statthalter.
7. April
Gemeindeversammlung in (Tauber)Bischofsheim mit dem Versuch, die Bevölkerung zu beschwichtigen.
8. April
Im 9-Städte-Bund beginnen in den einzelnen Städten jeweils für sich nach den Aufmahnungen Beratungen und Verhandlungen über das jeweilige Verhalten.
10. April
Erneute Aufmahnung aus Ballenberg und Krautheim samt der Zent nach (Tauber)Bischofsheim.
11. April
Antwortschreiben des Amtmanns und Kellers in Tauberbischofsheim an den Taubertaler Haufen und an den Neckartal-Odenwald-Haufen.
12. April
Lagebericht des Amtskellers von (Tauber)Bischofsheim, der über den Zuzug Mainzer Untertanen der Ämter Krautheim und Ballenberg nach Schöntal berichtet; er teilt mit, seine Verhandlungen mit den Bauern seien gescheitert, Bauern nehmen zum ersten Mal feindliche Haltung gegen ihn und (Tauber)Bischofsheim ein. Sie (über)lassen (Tauber)Bischofsheim nur noch die Wahl, welchem Haufen die Stadt sich anschließen will; der Amtskeller flieht in der Nacht zusammen mit dem Amtmann Wolf Morle, genannt Beheim, mit Zentgraf, Hofgesinde und Amtsknechten.
14. April (Karfreitag)
Aufbruch von Fähnlein des Taubertaler Haufens nach Lauda, Belagerung des Oberlaudaer Schlosses. Verhandlungen (Tauber)Bischofsheims mit einer Delegation (Edelfinger) Bauern, Forderung nach Herausgabe der Geschütze, Ablehnung durch den Rat. In die Stadt (Tauber)Bischofsheim strömen Bauern aus der eigenen Zent, aus den Dörfern der Ämter Grünsfeld, Lauda, Mergentheim, dazu kommen innere Unruhen, Drohungen der Bürgerschaft, sich über Rat hinwegzusetzen sowie Unruhen in allen umliegenden Flecken und Dörfern, z. B. Gerchsheim.
18. April
Florian Geyer führt im Bauernlager zu Mergentheim (bis zum 22. April) Verhandlungen mit (Tauber)Bischofsheim. Es kommt zur Verbrüderung mit der Verpflichtung TauberBischofsheims, die übrigen Städte des 9-Städte-Bundes aufzumahnen, einen eigenen Haufen (Die christliche Versammlung der 9-Städte) zu bilden und die Grafschaft Wertheim auf die Seite der Bauern zu bringen. Für den Taubertaler Haufen wird damit der Weg frei, nach Ostfranken ins Maingebiet zu ziehen.
22. April
Brief des mainzischen Statthalters Wilhelm an das Domkapitel, daß nur wegen seines persönlichen Einsatzes die Städte Buchen und (Tauber)Bischofsheim noch nicht zu den Bauern übergelaufen seien; er bricht von Miltenberg auf, nach dem er vom Abfall des mainzischen Neudenaus erfahren hat.
23. April
Versammlung der Einwohner (Tauber)Bischofsheims, um über die Verträge mit dem Bauernhaufen abzustimmen und Wahl von Hauptleuten; unter anderem wird Alexius zum obersten Feldhauptmann des Bischofsheimer Fähnleins gewählt. Die alte Ratsherrschaft bleibt dennoch im Amt. TauberBischofsheim fährt eine Doppelstrategie: Die radikal-revolutionären Kräfte bilden den militärischen Flügel der Stadt, die Patrizier die Ratsführung. Briefe an die restlichen Städte des 9-Städte-Bundes gehen hinaus. Aufforderung von (Tauber)Bischofsheim an die Gemeinde Königheim (zu Wertheim gehörig), sich dem Haufen der 9-Städte anzuschließen. Verlegung von Bauern aus der (Tauber)Bischofsheimer Zent und von Bürgern der Stadt nach Königheim, um das Dorf vor Graf Georg von Wertheim zu schützen. Der Süden der Grafschaft Wertheim sowie einige Kleinadelige treten ebenfalls zu den Aufständigen über.
25. April
Statthalter Wilhelm erfährt in Aschaffenburg vom Abfall (Tauber)Bischofsheims.
TauberBischofsheim schreibt wegen der Aufnahme der Kleinadeligen den vor Ochsenfurt liegenden fränkischen Haufen an, wie der Adel aufgenommen und behandelt werden soll.
27. April
In der in Ochsenfurt erlassenen Heeresordnung finden sich erstmalig Bestimmungen über die Annahme des Adels, Fränkischer Haufen teilt (Tauber)Bischofsheim die hauptsächlichsten Forderungen mit.
28. April
Brief der "Hauptleuth und rethe des cristenlichen hauffen zu Bischofsheim an der Tauber" an Rat, Bürgermeister, Viertelmeister und Gemeinde von Miltenberg wegen Bildung eines Sonderhaufens der 9-Städte.
Zwischen dem 28. April und 4. Mai (Datierung ungenau) Verhandlungen des Grafen von Wertheim mit dem Haufen von (Tauber)Bischofsheim.
30. April
Evangelisches Heer (Neckartal-Odenwälder Haufen) in Amorbach, Plünderung des dortigen Klosters. Odenwälder Haufen verweist den anfragenden Graf von Wertheim auf (Tauber)Bischofsheim. Miltenberg tritt auf die Seite der Bauern und versucht Obernburg auf das (Tauber)Bischofsheimer (fränkische) Programm zu verpflichten.
3. Mai
Aufforderung des Haufens von Tauberbischofsheim (Gebildet aus mainzischen, würzburgischen und wertheimischen Untertanen der Städte Külsheim und (Tauber)Bischofsheim sowie aus Gamburg, Gerchsheim, Königshofen, Uissigheim, Hundheim, Eiersheim, Hardheim, Schweinberg, Königheim) (unter dem Namen "die christliche Versammlung der neun stet") an das wertheimische Amts-Dorf Remlingen und die Obere Zent der Grafschaft Wertheim.
4. Mai
Amorbacher Erklärung. Die 9-Städte schließen mit den Hauptleuten des Bauernhaufens (Heller Haufen) einen Vertrag in Amorbach, Zerstörung der Wildenburg in Folge der Empörung der Bauern über die von Hans Berlin und Friedrich Weygandt auf Veranlassung von Götz von Berlichingen modifizierten 12 Artikel.
Ein Fähnlein des Odenwälder Haufens verlangt die Geschütze von (Tauber)Bischofsheim.
In Werbach letztmals Verhandlung (Tauber)Bischofsheims mit dem Grafen von Wertheim.
7. Mai
Der Statthalter von Mainz schließt Vertrag zu Miltenberg mit dem Odenwälder Haufen, im Namen von Statthalter Wilhelm und Domkapitel unterzeichnen der Dekan des Domkapitels, Lorenz Truchseß von Pommersfelden und der Bischofsheimer Amtmann Wolf Morle den Vertrag mit dem Bauernhaufen, Verpflichtung auf die 12 Artikel; das evangelische Heer der Neckartal-Odenwälder lagert zu Höchberg, das fränkische Heer in Heidingsfeld. (Tauber)Bischofsheim gibt Geschütze heraus, und das Fähnlein (Tauber)Bischofsheim rückt unter Alexius nach Würzburg.
11. Mai
Verhandlungen zwischen Festungsbelagerern und -verteidigern scheitern am inneren Widerspruch der beiden Haufen: die BürgerInnen von Würzburg und der Anführer der (Tauber)Bischofsheim, Alexius, beharren auf die Zerstörung der Festung. Alexius verlangt in einem Schreiben vier Geschütze und einen Büchsenmeister von der Stadt Aschaffenburg; darauf hin Streit unter den beiden großen Bauernhaufen. Viele Odenwälder Bauern und mainzische Amtsdorf-Bauern gehen auf die Seite der fränkischen Bauern über; der verbleibende Rest des Odenwald-Neckartaler Haufens heißt von nun Weinsberger Bauernhaufen. Danach gereizte Stimmung zwischen beiden Haufen.
14. Mai (Cantate)
Tauberbischofsheim liefert Geschütze nach Würzburg. Beschießung der Festung Unser Frauenberg (Marienburg), Festungsbesatzung beschießt die Stadt Würzburg.
15. Mai
Sturm auf den Unser Frauenberg unter der Führung von Alexius und dem Tauberbischofsheimer Fähnlein bei sehr hohen Verlusten (400 Tote).
16. Mai
Geschütze aus TauberBischofsheim kommen in Heidingsfeld an. 
17. Mai
Erneute Beschießung der Festung Würzburg aus neuen Schanzen in den Weingärten.
Götz von Berlichingen fordert von den 9-Städten Unterstützung des Weinsberger Haufens.
18. Mai
Rückfragen der 9-Städte an das fränkische Heer wegen des Sachverhaltes der Aufforderung.
20. Mai
Der Hauptmann von Lauda, Hanns Symplein, erhält den Auftrag, das Taubertal zu rüsten; Aufmahnungen des fränkischen Haufens an die Städte an der Tauber.
Schwäbischer Bund in Neckargartach, Briefe des Schwäbischen Bundes an die 9-Städte und an die abgefallenen Weiler.
22. Mai
Aufforderung des fränkischen Haufens an Tauberbischofsheim, nach Würzburg zu ziehen und die Aufforderung des Weinsberger Haufens zu ignorieren.
27. Mai
Die 9-Städte rüsten; Einberufung zur Versammlung nach Seligenstadt.
30. Mai
Erneute Aufforderung der ins Taubertal zurückgeeilten fränkischen Hauptleute an die Bürger des Taubertales und des Schüpfgrundes sich in Grünsfeld zu versammeln.
31. Mai
Versammlung der 9-Städte in Seligenstadt bietet mainzischem Statthalter Wilhelm völlige Unterwerfung an
2. Juni
Schwäbisches Fürstenheer zieht von Ballenberg aus durch das Umpfertal über Boxberg nach Königshofen; Schlacht von Königshofen auf dem Turmberg beginnt nachmittags um 4 Uhr. Von 300 waffenfähigen Königshöfern überleben 15, 122 Mergentheimer und 42 Weikersheimer fallen, die Verluste für die übrigen Tauberstädte und -dörfer stehen im selben Verhältnis. Auch TauberBischofsheim hat viele Tote zu beklagen.
3. Juni
(Tauber)Bischofsheim wird von den bündischen Truppen eingenommen.
12. Juni
In (Tauber)Bischofsheim Hinrichtung von zwölf Haupträdelsführern.
13. Juni
Verschreibung des Bischofs Wilhelm gegenüber der Stadt (Tauber)Bischofsheim, Verlust aller bisherigen Privilegien, Festlegung von Schatzungsgeldern; Weiterzug Wilhelms nach Remlingen.

25. Juni 1527
Neue Stadtordnungen für die 9-Städte, Mainzer Oberstift sinkt zu einem Regierungsbezirk herab, Landschaft verliert sämtliche Rechte.





TauberBischofsheim und der Neun-Städte-Bund

Im Verhalten des Neun-Städte-Bundes, der "Landschaft" im Mainzer Oberstift, erhalten wir Einblicke in die inneren Verhältnisse der Städte, der Ämter und Dörfer. Diese Motivationen werden vielfach nicht beachtet, da sich der Blick fast nur auf die Züge der beiden Haufen, Taubertaler Haufen und Odenwald-Neckartaler Haufen fixiert. Und hier besonders auf die Konstellation zwischen den Haufen und den Herrschenden, meistens personalisiert dargestellt als Fürstbischof von Würzburg oder dem Mainzischen Statthalter. "Fast unbeachtet blieben die Wirkungen, die dieses Kräftespiel auf die Untertanen ausübte. Sie, als unmittelbare Berührte, mußten sich für eine der beiden Parteien entscheiden. Die Frage nach ihrem Verhalten mußte sich ganz stark aufdrängen, sobald erkannt war, welch eine wichtige und vor allem selbständische Rolle im Gesamtorganismus des Mainzer Kurstaates die Korporation der '9 Städte' im Oberstift spielte." (Norbert Höbelheinrich, Die Neun-Städte, S. 51) 

Mit dieser Betrachtungsweise werden auch die Unterschiede zwischen den bäuerlichen und den bürgerlichen Elementen des Aufstandes deutlicher. Ebenso fokussiert sich so der Zusammenhang der Stadt mit ihrem jeweiligen Amtsbezirk, der Zent, heraus. Ein weiterer zu differenzierender Komplex sind die inneren Auseinandersetzungen in den jeweiligen Städten, die Unruhen, die Revolutionierung der städtischen Verhältnisse durch die Masse der Häcker, die ansonsten vom Stadtregiment ausgeschlossen sind. 

Dazu kommt noch die bisher völlig vernachlässigte Beteiligung der Geschlechter. Aus mehreren Städten sind "Rotierungen" der Frauen bekannt, denen der Aufstand zu langsam vor sich ging, bzw. falls ihre weibliche Situation nicht genug berücksichtigt wurde (Vgl. Rothenburg, Würzburg, Uffenheim weitere u.a. in Heilbronn, Windsheim). Mit diesen kurzen Federstrichen haben wir die Komplexität dieses Aufstandes angedeutet, angerissen. Der Begriff des Bauernkrieges ist für die Breite der Bewegung hierfür zu klein, lenkt auf falsche Spuren. 

Anhand der "Neun-Städte" des kurmainzischen Oberstiftes lassen sich auch die Unterschiede zwischen dem Taubertaler Haufen und dem Odenwald-Neckartaler Haufen deuten. Auch wird bei der Berücksichtigung des TauberBischofsheimer Versuches, einen Haufen der "Neun-Städte" aufzustellen deutlich, warum der Taubertaler Haufen das Taubertal verlassen hatte und in das Maintal marschierte.

Beide große Haufen entstanden außerhalb des kurmainzischen Gebietes, bedrohten dieses aber recht schnell. Krautheim und Ballenberg gingen als erste zum Odenwald-Neckartaler Haufen über, als dieser sich in Schüpf und Schöntal bildete. TauberBischofsheim wurde vom Heranmarsch des Taubertaler Haufens bis Lauda / Mergentheim zur Entscheidung gezwungen: "Die beiden Gruppen, die sich um das Mainzer Oberstift gelagert hatten, waren aber nicht nur 'räumlich' getrennt, sondern waren auch ... in ihren 'Zielsetzungen' ganz verschieden orientiert. Das führte schließlich nicht nur zu einem Machtkampf zwischen den zwei Bauernhaufen um den Besitz des vor ihnen liegenden Gebietes, sondern auch zu einer verschiedenen Haltung der in diesem Gebiet liegenden Städten und Flecken, die sich je nach ihrer Lage einem der beiden Bauernhaufen anschlossen, oder es sogar verstanden, sich der Gesamtbewegung zu entziehen." (Norbert Höbelheinrich, Die Neun-Städte, S. 53) 

Die Politik der "Neun-Städte" war dreigeteilt. Erstens mußten sie jeweils für sich mit den Bauernhaufen verhandeln, als zweites mußten sie als Mitglieder in einem korporativen Bündnis versuchen, eine gemeinsame Grundlage der "Neun-Städte" zu finden, um die Stellung der Städte innerhalb der "Landschaft" des kurmainzischen Oberstiftes zu bewahren oder zu stärken. Und drittens hatten sie gleichzeitig mit ihren umgewälzten inneren Verhältnissen und denen ihres Amtsbezirkes zu tun, da nun die Häcker und Unterschichten auf Mitsprache drängten: 
"Es kam den Städten in erster Linie darauf an, eigene Vorteile zu suchen. Wir werden deshalb auch sehen, wie sie meistens mit den Bauern selbständig verhandeln und am Anfang die Verhandlungsergebnisse dem Statthalter mitteilen, wie sie aber gemeinsam vorgehen, wenn es sich um Abschluß von Verträgen handelt, durch die das Erzstift in seiner Gesamtheit berührt wird. Das gilt für den am 7. Mai in Miltenberg unterzeichneten Vertrag. Einzig Tauberbischofsheim versuchte zu Beginn des Umsturzes die '9 Städte' zu einheitlichem und selbständigen Vorgehen zusammenzufassen, ein Versuch, der, wie sich zeigen wird, scheiterte. ... Es fehlte ihnen der Wille zur Initiative, dazu kam eine gewisse Angst der einzelnen Stadtregierungen, die schließlich befürchten mußten, daß ihnen gleichzeitig mit der Auflehnung gegen die oberste Landesgewalt die vereinigten Untertanen und Bauern das Regiment in der eigenen Stadt entziehen würden." (Norbert Höbelheinrich, Die Neun-Städte, S. 53/54)

In dieser Konstellation versuchte TauberBischofsheim lange, zu taktieren. TauberBischofsheim hatte dann nur noch die Wahl, zu welchem Haufen es sich verpflichten wollte: "Ebenso unbeugsam wie gegen die Regierung waren sie auch gegen die von Tauberbischofsheim. Man stellte sie vor die Entscheidung, entweder freundliche Aufnahme im Bauernlager oder weiteres Beharren auf Seiten des Erzbischofes, was, wie klar gesagt wird, gleichbedeutend mit gewaltsamen Ueberzug sei. Man läßt der Stadt allerdings noch die Wahl, zu welchem Haufen sie stoßen will. 'Darumb wolt ire zu unserm hawfen, wollen wir euch fruntlich annemen, alle bruderliche trewe erzeygen. Wo ire aber ewr gelegenheyt halb lieber gein Mergentheim zu dem selben hawfen ziehen wolt, soll zu ewrm willen steen, daselbst werdet ire wie bei uns auch brunderlich und freuntlichen uffgenomen und gehalten, dan es ist alle ein gleiche sach und hilf.' Es tritt also ganz deutlich hervor, wie die beiden Haufen ein starkes Bewußtsein eint, an der gleichen Sache zu arbeiten. Dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit und der Zusammenarbeit wird uns noch öfter begegnen, eine Tatsache, die in manchen Darstellungen abgestritten wird. Eine starke Absonderung der beiden Heere erfolgte erst später, hervorgerufen durch den Streit über die Zugehörigkeit der '9 Städte' und die hartnäckige Forderung des Tauberhaufens auf Durchsetzung seines Programms." (Norbert Höbelheinrich, Die Neun-Städte, S. 61) 

Der Übertritt TauberBischofsheims wurde durch die Flucht der kurmainzischen Beamten erleichtert. Marschall, Amtmann und Keller, Knechte und Gesinde flohen. Am 14. und 15. April verhandelt Contz Bayr, Veter Hans und weitere acht Bauern in Tauberbischofsheim. Kurz darauf setzt die Revolutionierung der Stadt von außen und innen ein. Aus der eigenen Zent, aus den umliegenden Dörfern zogen Bauern in die Stadt und die Bischofsheimer Häcker gesellten sich zu ihnen: "lagen der gemeyne sovil in oren, das sie von tag zu tag ye lenger, ye uffruriger und wegiger warden, das also ganz keines pleibens oder haltens bei inen ware oder sein wolt. Wes inen aber ingesagt, ist wol zu vermutten." Der Sturm der Burg Oberlauda hat wohl den inneren Druck erhöht. 

Der Rat der Stadt legte einen dialektischen Plan vor: "Man mußte einen Weg finden, der den eigenen Leuten eine Mitwirkung an der Erhebung gestattete, sie aber andererseits von einer allzu engen Verbindung mit den übrigen Aufständischen an der Tauber, von denen man Beschädigung und Plünderung fürchtete, abhielt. Beide Bedingungen glaubte man in dem Plan vereint zu sehen, der nun den Führern des fränk. Haufens in Mergentheim vorgelegt wurde. Man schlug diesen Männern vor: Der fränkische Haufen soll sich erbieten, seinen Weg in das Frankenland oder sonst wohin zu nehmen. Dafür wolle sich Tauberbischofsheim verpflichten, zusammen mit den '9 Städten' einen besonderen Haufen zu bilden, um dann zu versuchen, das Erzbistum Mainz und ebenso die Grafschaft Wertheim dahin zu bringen, 'das ire gnaden sich uff ein reformacion auch begeben solten.' Tatsächlich wurde dieser bedeutsame Vorschlag in Mergentheim von den Führern der Franken angenommen. Wir wissen es von einem seiner engsten Mitarbeiter, daß Florian Geyer es war, der die Verhandlungen führte. Denn am Sonntag Cantate, dem 14. Mai, erklärte der Schultheiß von Ochsenfurt vor Bürgermeistern, Rat und Ausschuß Rothenburgs im Beisein Florian Geyers auf eine Anfrage hin u. a., daß sich Bischofsheim samt den '9 Städten' im Stift Mainz zuerst zu dem fränk. Haufen verbrüdert hätten. Er fährt dann nach einigen Sätzen fort: 'dann er, der Florian Geyer, hett inen die aidspflicht selbs geben, wie und wes ir bruderschaft innen hielte.' ... In Mergentheim verbrüderte sich nur Tbhm. mit den Bauern und übernahm dabei die Verpflichtung, die übrigen Bundesmitglieder aufzumahnen und mit ihnen einen eigenen Haufen zu bilden, der sich nannte: 'die christliche versammlung der neun stet'." (Norbert Höbelheinrich, Die Neun-Städte, S. 61)

Die von TauberBischofsheim beabsichtigte Gründung eines eigenen Haufens liegt durchaus in der historischen Fluchtlinie der proto-bürgerlichen Politik im Oberstift Mainz. Mit einem eigenen Haufen konnte man im kurmainzischen Gebiet eigene Politiken betreiben. Die weitere Verpflichtung TauberBischofsheims, die Grafschaft Wertheim auf die Seite des Aufstandes zu bringen, ermöglichte dem Taubertaler Haufen den Zug in den Würzburger Oberstift: 

"Mit der Beteiligung Tbhm's schloß sich die Lücke, die bisher am mittleren Taubertal noch bestanden hatte. Ja, noch mehr! Man hatte jetzt einen Bundesgenossen, der nicht nur mit passivem Wohlwollen zusah, sondern die tatkräftige Anwerbung und Ueberwachung des Mainzer Oberstiftes und vor allem der Grafschaft Wertheim übernahm. Jetzt bestand dort oben ein wachender und tätiger Mittelpunkt für das gesamte Taubergebiet, dessen Vorhandensein es nun den Massen ermöglicht, ihren Weg in das Würzburgische über Röttingen und Aub nach Ochsenfurt zu nehmen. Gerade dieser plötzliche Aufbruch nach Osten wurde bisher von der Forschung einfach als eine unmotivierte Tatsache hingenommen. Sie hat jetzt, glaube ich, eine einleuchtende Erklärung gefunden." (Norbert Höbelheinrich, Die Neun-Städte, S. 66)

Der Vertrag mit dem Taubertaler Haufen wird von der versammelten Einwohnerschaft auf dem Marktplatz, real und symbolisch mit dem auf die Seite des Aufstandes Treten für gut geheißen. Hauptleute werden gewählt, die nun die Führung der militärischen Fähnlein übernehmen. Der Rat der Stadt bleibt trotzdem im Amt. 

Die militärische Führung der Tauberbischofsheimer Fähnlein tritt zukünftig besonders radikal auf. Der Hauptmann Alexius beispielsweise befiehlt den Sturm auf die Marienfestung. Diese Radikalität erklärt sich wohl aus der Zusammensetzung der TauberBischofsheimer Fähnlein aus Häckern, die von den Häckern aus Königheim, Schweinberg, Hardheim und den Amtsdörfern der Zent und der Stadt Bischofsheim und Külsheim gestellt werden. "Nach dem Zustandekommen des Vertrages hatte der Rat die Gemeinde zusammenläuten lassen, um ihnen das Ergebnis von Mergentheim zu verkündigen und folgende Erklärung abzugeben: Die Verbrüderung mit den Bauern wäre auf ihr aller ernstliches Begehren und Willen geschehen, unter Abwägung der schon genannten Ursachen. Damit nun in Zukunft, 'wo es ubel gerieht, nit ein iglicher understunde, den kopff daruß zu ziehen und einer uff den andern zu schieben oder sagen wolt, er were verfuret worden oder solichs one sein wissen und willen gescheen, und sein wille oder meynung gar nit darbei gewest' etc., darum solle nun jeder einzelne seinen Willen offen bekennen. Zu diesem Zwecke wurde eine Abstimmung in der Form veranstaltet, daß diejenigen, die bei dem Statthalter verharren wollten, auf ihrem Platze stehen bleiben, daß aber zur Seite treten sollte, 'welicher hierbei, wie bei dem hawffen gehandelt und erlangt were, pleiben wolt.' Die Entscheidung wurde auf Mehrheitsbeschluß gestellt, unangesehen aller schon stattgehabten Handlung und Zusage. 'Da traten sie alle eynhelliglichen uff die seiten!' Man schwört einander, 'die sache für ein gleiche gemeyne sach zu halten und einem als vil gelten als dem andern, und keiner von dem andern weichen oder sich auch keiner uff den andern entschuldigen.' Mit auffallender Eile wurde danach auf Vorschlag des Rates sofort zur Wahl von Hauptleuten geschritten, denen ein jeder Gehorsam geloben und schwören mußte. Darauf wurden sofort diejenigen ausgelost, die 'in die reyß ziehen' sollten. Die Wahl brachte die Ernennung von sieben Hauptleuten, unter denen ein gewisser Alexius zum obersten Feldhauptmann gemacht wurde." (Norbert Höbelheinreich, Die Neun-Städte, S. 66ff.)

Ein weiterer Schritt TauberBischofsheims ist es, die Dörfer und Ämter der Umgebung anzuschreiben. Der Süden der Grafschaft Wertheim mitsamt einigen Kleinadeligen ist schnell gewonnen. Weniger erfolgreich war der Versuch, die übrigen der Neun-Städte (außer Külsheim) zur Bildung eines eigenen Haufens aufzufordern. Noch waren Buchen, Walldürn, Miltenberg, Amorbach und die weiter weg gelegenen Städte Heppenheim, Seligenstadt, Aschaffenburg nicht direkt vom Bauernhaufen bedroht und warteten noch den Lauf der Dinge ab. 

Leider sind die Briefe, die Tauberbischofsheim versandte, nicht mehr erhalten mit der Ausnahme eines Briefes an Miltenberg, indem TauberBischofsheim die Vorzüge der Bildung eines eigenen Haufens im Oberstift Mainz durch die Neun-Städte darlegte: "In ausführlichen Worten werden dann die Vorteile herausgestellt, die die Bildung eines Sonderhaufens, bestehend aus den '9 Städten' und ihren Zenten, für das gesamte Mainzer Oberstift haben müßte. Vor allem würde dadurch das Vermögen der Landesherrschaft gerettet, so argumentierte man, denn was die fremden großen Haufen gewinnen würden, das werde unter die einzelnen Abteilungen verteilt, 'dieweyl allerley volcks von vilerley herschafften beyeinander seindt.' ... Letztes Ziel aller Bemühung sei die Aufrichtung der evangelischen Reformation." (Norbert Höbelheinrich, Die Neun-Städte, S. 69) 

Da allerdings die anderen Neun-Städte nicht wie gehofft auf die Seite TauberBischofsheims übergingen, blieb der Versuch der Bildung eines eigenen Haufens stecken und ohne militärische Macht. Deshalb konnte die zweite Verpflichtung TauberBischofsheims, die Grafschaft Wertheim zum Übertritt zu bewegen, nicht gelingen. Der Graf von Wertheim verhandelte, taktierte und versuchte Zeit zu gewinnen. 

Erst der Zumarsch des Odenwald-Neckartaler Haufens in Richtung seines Territoriums zwang ihn zum Anschluß: "Es ist daran festzuhalten, daß erst nach dem 22. April eine aktive Betätigung Tbhm's einsetzt. Vorher hatte der Aufstand in der Grafschaft Wertheim schon lange begonnen. Vor allem im Süden hatten sich Unruheherde gebildet, die im Anfang als Haufen zu Hardheim und Königheim urkundlich belegt sind. Als erstes verpflichtete sich auf Ansuchen der Tauberbischofsheimer das Dorf Königheim zu dem neu zu bildenden Haufen der '9 Städte'." (Norbert Höbelheinrich, Die Neun-Städte, S. 70ff.) TauberBischofsheim gelang nur der Anschluß der südlichen Orte der Wertheimer Grafschaft.

Ende Mai wird das Taubertal zum Brennpunkt des Geschehens, als die bündische Heeresmacht auf Tauber- und Mainfranken vorrückt. Die Städte, Ämter und Dörfer Tauber-Frankens mobilisierten ihre militärischen Mannschaften und ließen sie zum zurückströmenden Odenwald-Neckartaler Haufen stoßen: 

"Gnad und frid in Christo. unsern christlichen lieben brudern und hauptman zu Lauden, Hansen Senglein, entbieten wir, die verordneten hauptleut und rethe itzung zu Haidingsveld im läger, zu wissen, das uns wahrhaftig warnung zukomen, wie der Swebisch bund mit hörescraft uf Weinsperg zuziehe, in willen, uns abbruch zu thun. demnach uns aus notturft geburet, allenthalben ufzumane, und bevelhen euch hirzu ganz ernstlich, das ir zu Konigshoven und allenthalb im Taubertal bevelhe thut, das sie sich in gutter rustung enthalten und, sobalt sie widerumb schriftlich oder muntlich ufgemant werden, das sie on verzug an die ort und end, dahin sie gewisen werden, zuziehen, unser und ir leyb, leben, ere und gut helfen retten. datum uf sambstag nach Cantate [Mai 20, 1525] mit unserm gewonlichen secret besigelt." (Lorenz Fries, Geschichte des Bauernkrieges in Ostfranken 1, S.291f.)

Am 3. Juni marschierte ein Teil der bündischen Truppe in TauberBischofsheim ein: "Die Mainzische Stadt Tauberbischofsheim wurde ebenfalls am Pfingstsonntag von einer Abteilung der Bundestruppen unter Frowin von Hutten wieder eingenommen, und es wurden "vil zu Bischoffsen und andern fleckhen enthaupt". Der Pfarrer Scriptoris, der von Anfang des Aufruhrs an auf der Seite der Bauern gestanden war, entging dem Schicksale seines Laudaer Amtsbruders nur dadurch, daß er noch rechtzeitig die Stadt verließ." (Karl Hofmann, Der Bauernaufstand im Badischen Bauland und Taubergrund, S. 64ff.)

Am 10. Juni zogen die kurmainzischen Truppen unter Statthalter Wilhelm und Frowien von Hutten in Tauberbischofsheim und Külsheim ein, um deren Unterwerfung entgegenzunehmen: "Zunächst wurden die Schatzungsgelder festgesetzt und die 12 Haupträdelsführer hingerichtet, worauf am nächsten Tag, am 13. Juni, Bürgermeister, Rat und ganze Gemeinde von Bischofsheim und das ihm zugehörige Gamburg die Unterwerfungsurkunde unterzeichnen mußten. Nach Anerkennung der von ihnen begangenen Vergehen mußte die Bürgerschaft ihre Unterschrift unter 13 Artikel setzen, die zunächst bedingungslosen Gehorsam gegen den Erzbischof und Statthalter forderten und sie verpflichteten, die gewöhnlichen drei Artikel einzuhalten, die dem Domkapitel als dem Erbherrn zu leisten waren.

Die Stadt mußte versprechen, sich gegen den Landesherrn niemals mehr zu empören, und allen herkömmlichen Leistungen wie bisher nachzukommen. Jeglicher Vertrag mit dem "hellen Haufen" wurde für null und nichtig erklärt. Alle Einwohner mußten schwören, niemals irgendwelche Bündnisse abzuschließen und Versammlungen abzuhalten. Jeder Waffenfähige mußte die Waffen ausliefern und durfte sie nur mit Genehmigung der Regierung wieder tragen. 

Die Stadt verlor alle Privilegien, Gnaden und Freiheiten. Alle diesbezüglichen Urkunden mußten ausgeliefert werden. Alle Zunft-Bruderschafts-Viertelversammlungen in Stadt oder Dorf wurden der Genehmigung durch den Erzbischof oder seinem Amtmann unterstellt. Alle Flüchtigen aus der Stadt sollten angezeigt werden, ihr Hab und Gut genau aufgezeichnet werden. Über ihr Eigentum verfügte nun der Erzbischof und Landesherr. Alle Heimkehrenden sollten verhaftet, nicht in ihre Wohnungen gelassen werden, dem Amtmann oder Landesherrn sollten sie überantwortet werden. Die Stadt mußte sich verpflichten, wie bisher alle Zehntabgaben, Zölle, Zinsen, Renten, Gülten, Gefälle und sonstigen Dienste zu leisten. 

Die beschädigten Güter mußten zurück erstattet werden, allen Geschädigten war Schadenersatz zu leisten. Wein, Feldfrüchte und sonst alles, was genommen oder verwüstet war, sollte ersetzt werden. ... Das Mainzer Oberstift wurde fast zum Stand eines Regierungsbezirks degradiert. Durch die Aufhebung des '9-Städte-Bundes' büßte die Landschaft alle bisher erworbenen und erkämpften ständischen Rechte ein.

Zudem wurden Bürgermeisteramt und Rat der Stadt Bischofsheim, deren frühes Aufkommen innerhalb der '9 Städte' hervorgehoben wurde, in ihrer alten Form beseitigt. An die Stelle der beiden Bürgermeister traten nur dem Erzbischof und seinen Beamten verpflichtete Regentmeister oder Rentmeister. Auch der Stadtschultheiß tauchte wieder auf. Den Rat bildeten zwölf aus der Gemeinde genommene und vom Erzbischof oder seinem Amtmann bestätigte Bürger, die nach Belieben ein- und absetzbar waren." (Tauberbischofsheimer Stadtchronik)



Literatur:


J. Berberich, Geschichte der Stadt Tauberbischofsheim und des Amtsbezirkes 1895; 

Peter Blickle, Durch Konflikt zum Gemeinwohl - Erinnerung an die "Bäuerlichen Landschaften" im deutschen Südwesten. In Pro Regio Nr. 13; 

"Bücher zur Kenntnis des Landes" des Fürstentum Leiningens 1803; 

Fränkische Nachrichten (FN) 11.8. 1988 hp; 

Lorenz Fries, Geschichte des Bauernkrieges in Ostfranken 1; 

Carlheinz Gräter, Tauberbischofsheim. Porträt einer fränkischen Stadt, 2. Aufl. Fränkisch-Schwäbischer Heimatverlag, Donauwörth o.J.; 

Norbert Höbelheinrich, Die Neun-Städte, 1939; 

Karl Hofmann, Der Bauernaufstand im Badischen Bauland und Taubergrund; 

Alfred Schmid Noerr, Erinnerungen an Tauberbischofsheim, in: Das Badische Frankenland. Odenwald, Bauland, Taubergrund; 

Anton Schwan (Hg.), Heimatbilder - Die Steinschnitte im Landratsamt Tauberbischofsheim. Folge 1 der Schriftreihe "Ein Landkreis baut auf"; 

Günter Vogler, Die Gewalt soll gegeben werden dem gemeinen Volk - Der deutsche Bauernkrieg 1525, Berlin-DDR 1983; 

Stadtchronik Tauberbischofsheim 1955.
 


Eine ausführlichere Version gibt es als PDF-Datei:

Tauberbischofsheim Bauernkrieg 1525