Wein, Weinbau, Häcker

Bischofsheim war eine Stadt des Weinanbaus, der Weinbearbeitung, des Weinhandels. Reichen Weinhändler standen eine große Masse arme Häcker gegenüber, also Tagelöhner ohne eigenen Besitz. Viele Büschemer agierten Wingerter, hatten eigenen Besitz an de Weingärten. Viele Weinberge gehörten auch Auswärtigen, Stiftungen. Die harte Zehntpflicht lag auf den Weinbauern. In Büscheme war der Wein praktisch auch Zahlungsmittel, diente zur Entlohnung. Man bekam vielfach Wein, wenn man auch nicht wollte.

 

 

Folgende Fluren dienten als Weingärten (nach Ogiermann, Flurnamen S. 353 - 359). Besonders das Verzeichnis der Zehntbestände von 1495 (Siehe Ogiermann. S. 179 - 183), insbesondere den Bischofsheimer Zehnt, den der Mainzer Stift St. Victor, später das Domkapitel innehielt:

 

Bremenliten (Brehmenleiten)

Zent (Cent)

Gützberg (Guetzberg, Kützberg)

Vorderer Goetzberg (Gützberg)

Äußerer Goetzberg (Gützberg)

Hadermannsheldin (Hadermannshelde)

Heimelberg (Hamberg)

auf dem alten Heimelberg (Hamberg)

auf dem neuen Heimelberg (Hamberg)

Hörberg (Höhberg)

Ippberg ( Upperg)

vorn am Ippberg

Keyser

Kirchelberg (Kyrchillberg; Kychelberg)

Kirchelbergsgrund

Leyndal (Lintal)

Mentelin (Mendele)

Mittelberg

Nennberg am Bremen (Nonnenberg)

Schlacht

Spreytt

Steinberg (Stammberg)

Tauberthal (Daubendal)

 

Hier verwundert, dass manche Weinberge, Weinberglagen nicht erwähnt werden. Z. B. der Edelberg, die Hangseite des Brenners, da sah ich noch als kleiner Junge Rebstöcke. Auch die Galgenleite bleibt unerwähnt. Wer dort spazieren geht, findet dort viele Steinriegel. Wenn auch nicht besonders hohe. Das Edelbergertal, die Galgenleite werden allerdings mit ihren Flurnamen als Ackerland geführt: "Im Zeitraum von 1200 bis 1600 fanden wir 32 Flurnamen Tauberbischofsheimer Gemarkung, die in den ausgewerteten Urkunden Erwähnung fanden. Am öftesten belegt wurden die Gewanne, die am Südhang der Stadtgemarkung gelegen sind. Es sind dies folgende Gewanne: Bremenleite, Kaiser, Wellenberg, Sprait, Mühlwiese, Höhberg, Taubenhaus, Ziegelhaus, Schlacht, Hadermannshelle, Galgenleite, Zehnt (Cent), Mäntelein (Mendele), Taubental, Büchelberg, Linsenleite und Edelbergertal." Ogiermann, Seite 359

 

Bischofsheim war Weinstadt. Im Mainzer Oberstift war sie eine der finanzstärksten Städte. Hier wurden auch die meisten Steuern entrichtet. Vornehmlich aus dem Weinbau und Weinhandel. Es gab neben dem dominierenden Weinanbau Ackerland, Wiesen, Gärten, Wald. Auch die Halbtrockenrasen der Brachenleite. "Ödland" wie heute, das zunehmend verbuscht, gab es nicht. Einer der wenigen ungenutzten Hänge war die Blaugrashalde des Steinberges / Stammberges, die sich Königheim zuneigt. Die Weinlagen drangen auch auf die flacheren Bereiche vor, auf eher ungünstigeren Hanglagen: "Die Rebhänge auf dem günstigen Muschelkalkboden reichten von den Bergen der Gemarkung bis an die Stadt heran. Selbst Sprait, Wellenberg und Höhberg waren noch bepflanzt. Der Grund hierfür muß wohl in einer Änderung der klimatischen Verhältnisse zu suchen sein." (Ogiermann, S. 360) Schon viele haben sich gewundert, warum der Höhberg so bestückt mit Steinriegeln war, warum auf ihm Weinbau betrieben wurde, obgleich er keine bevorzugt Südlage einnahm. Da aber der Höhberg eine steile Weinlage zum Brehmbach hin, zum Tal hin hatte, lagen die Hänge trotzdem während der Wachstumsphasen der Trauben bis in den September hinein in der Sonne. Die selbe überraschende Feststellung kann man an der Galgenleite treffen. Auch hier bekam der Hang ausreichend Sonne. Auch hier begünstigte das unverbaute Tal die Besonnung. Wer abends hier spazieren geht, kann dies leicht nachvollziehen. An der Galgenleite natürlich besser als am aufgeforsteten Höhberg. Bei einem Sparziergang an der Galgenleite kann man auch bemerken, wie sich der Hang der Galgenleite von der Nordseite wegwindet. In eine besonntere Lage. Auf der Weinbau möglich war. In Richtung Laurentiusberg noch stark beschattet. In Richtung Edelberg dagegen sonnig.

 

 

 

Der Wein stand im Mittelpunkt des Büschemer Lebens und Arbeitens. Die Sitzungen des Stadtrates thematisierten immer wieder den Wein, den Weinanbau, den Weinhandel. Das Eintreiben des Weinzehntes wurde heiß diskutiert. Sollte der Zehnt aufwendig von den gelesenen Trauben genommen werden und erst vom gekelterten Most? Was den Aufwand von den Zehnteinholern zu den Zentpflichtigen verlagerte. Ein Teil des Bischofsheimer Zehnten holte sich das Mainzer Stift St. Victor. Ogiermann listet ab Seite. 178 die zehntpflichtigen Grundstücke auf.

 

Die Häcker, die Weinberge bearbeiteten, hackten, die Reben schnitten, lebten als Tagelöhner vom Wein, von der Beschäftigung mit dem Wein, Weinberg. Damit sind sie auch die ärmsten Büschemer. Wie die Verzeichnisse über den Reichturm bzw. die Armut Zeugnis geben. Die Häcker lebten als besitzlose Tagelöhner. Ohne Grundbesitz. In den kleinsten, schiefen Häusern der Stadt. Die Weinbauern bildeten eine Bruderschaft. Ihren Sitz hatten sie im berühmten Häckerhaus. Zu einer Zunft reichte das Häckerdasein nicht, da das Hacken keine mehrjährige Ausbildung erforderte. Bis 1895 versammelte sich die Weinbruderschaft. In der Stadtkirche St. Martin hängt nun der Heilige der Weinbrüder, St. Urban, belanglos an einer Säule herum. Kaum beachtet. Vergessen. 1730 stellte der Büschemer Stadtschreiber für die Mainzer Herrschaft ein Verzeichnis der Berufe und der Vermögensverhältnisse auf: "An Häckern sind hier 112, nämlich 5 giebige (reichere), 28 mittelmäßige, 68 arme und 11 bettelarme. Die armen Häcker nähren sich mehrenteils vom Taglohn, kümmerlich, wie ihre wenigen Weinberg verschuldet und verpfändet sind; die bettelarmen gehen dem Almosennach und können weder der gnädigsten Herrschaft noch der Stadt etwas zahlen." (Gehrig/Müller, S. 232)

 

Über die besondere Büschemer Weinflatrate schreibt Berberich (S. 77/78): "Auf den Wörthwiesen und auch im Gänsflur wurden Tische aufgestellt und an Sonn- und Feiertag Nachmittagen Wein ausgeschenkt, den man nicht nach dem Maß, sondern nach der Zeit des Trinkens bezahlte." Es gab die Schilderung: "da trank man Weyn, als were es Wasser." Und selbst zum Mörteln wurde Wein verwandt: "die Maurer haben das Vieh mit Wein getränkt und den Mörtel zum Hausbau damit angemacht."