Mühlkanal - Mühlbach = die alde Boach

Der Mühlbach. Das innerstädtische Gewässer. Die alte Bach. Von der badischen Obrigkeit 1835 verdächtigt, durch Rückstau die großen Überschwemmungen der Innenstadt zu verursachen. Die Verdächtigung war falsch. Allerdings Ergebnis einer "Untersuchung". Deshalb schlug die badische Obrigkeit vor, die Mündung des Mühlbaches in die Tauber um ca. 400 m nordwärts zu verlegen. Auf Kosten der Stadt Bischofsheim. Während ein Neubau der Tauberbrücke vom badischen Staat getragen wurde.


 

Ein Weinseliger fiel einmal beim sternhagelblauen Nachhauseweg in den Mühlbach. Er negierte dessen offenen Charakter mit den Rufen "Häußer häär, Häußer häär". Ein anderesmal, als er wieder in die alte Boach hinein fiel, rief der "Häußer her, Häußer her": "Verdammt, iss däss ämool ä Pfitsche." (Bischemer Böser Buwe S. 25)

 

Einen Teil verläuft die alte Bach unter Tage. Unter Häusern, unter Straßen, Wegen, Flächen. Überwölbt. Unter Mühlen, Mühlgängen. An der Stadtmauer. Immer stark kanalisiert. Gepflastert. Und dennoch meistens reizvoll. Im Gegensatz zur Tauber. Auf Büschemer Gemarkung. Kaum einer weiß so richtig, wie der Mühlbach verläuft. Da nur in Portionen genießbar. Nur teilweise sichtbar. Nur die Wenigsten wissen, wo der Mühlbach überhaupt anfängt. Bei der Zuführung vom Zipfkreisel aus in Richtung B27. Noch einer landete in der alten Boach. Bei der steinernen Brüstung, gegenüber dem Hammel, sprang auch einmal ein reichlich Besoffener in die alde Boach. Ein bleibender Spruch von ihm ist nicht überliefert.

 

In den Bischemer Bösi Buwe wird die alde Boach mehrfach gewürdigt - hoch gewürdigt. Sie gibt schließlich dem Büschemer Stadtquartier Kloa-Venedich das kanalartige Gepräge:

 

Die alde Boach - wenn iech Euch soach -

iss schöö wi dr Canale Grande zu Venedisch im Welschen Lande.

Änn Haufe Brügge führe nüüwer.

Drum foahre koa Gondel drüüwer.

Oawwer Gens unn Ende schwimme rumm,

Ratze aa unn sunst no moanches Drumm vonn Alderdumm:

Verlausdi Hünger, doodi Spatze,

räudichi Hünd unn vreckdi Katze.

(S. 40)

 

Die Geschichte der Büschemer Mühlen wird von Gehrig / Müller in der Stadtchronik von 1997 akribisch aufgelistet. Auch wird besonders auf die verschiedenen Formen von Mühlen eingegangen: Getreidemühlen, Lohmühlen, Walkmühlen, Sägemühlen, Ölmühlen, Schleifmühlen, Schneidemühlen, Gipsmühlen.

 

Die heutige Dölzermühle (Neumühle), 1859 erbaut, liegt am Brehmbach, weit außerhalb der Stadt. Ebenso die Sägemühle Meyer von 1826. Diese nutzt den Wassergang der direkt benachbarten Pfaumühle, einer Öl-, Loh- und Getreidemühle, 1898 stillgelegt.

 

Am Mühlbach liegt die Rollenmühle (Halbigmühle). Am Rand der Voorschd (Vorstadt). Die Herrenmühle, früher auch Mühle hinter dem Schloss, Mühle der Vorstadt, Große Mühle, zuletzt Hofersmühle genannt, wurde 1981 abgerissen, an der Lage noch erkennbar. Am Schlossweg sieht das Rinkerhaus, unter dem der Mühlbach durchfließt, wie eine Mühle aus. Hier war früher das obere Schleusenhäuschen. Hier gab es eine Ableitungsmöglichkeit zum damals noch nahen Brehmbach. Das auffällig große Haus in der Manggasse, mit der Nepomukstatue, war eine Walkmühle (Kunkel'sche Walkmühle). Dieser direkt benachbart war die Badmühle, später Versbachmühle (Gebäude der Buchbinderei, Druckerei Stein). Die untere Mühle (Schnurrsmühle), Mündung Badgasse / Bachgasse, ist heute nur noch als gestalteter Freiplatz erkennbar.


 

Eine frühere Besitzerin der Hofersmühle entwendete den Bauern Mehl beim Mahlen. Dafür geht sie jetzt um und man hört sie sprechen: "Moaß unn G'wicht, Geht vor Gottes G'richt." TuD 115. Die ungerechte Müllerin (53)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 


 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rollenmühle - Halbigmühle

 

 

 

 

 

 

Herrenmühle - Hofersmühle

 

 

  

 

 

Keine Mühle, sondern Standort des ehem. oberen Schleusenhäuschens

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

rechts Freiplatz der Reidel'schen Walkmühle, Manggasse, Kloa-Venedich

 

Kunkel'sche Walkmühle, Manggasse, Kloa-Venedich

 

Badmühle, Manggasse, Kloa-Venedich

 






 

 

 

 

Freiplatz der Schnurrsmühle, Bachgasse - Badgasse

 

 


 


 

 

 


Auf diesem Lageplan sieht man den Verbindungskanal beim oberen Schleußenhäuschen (Haus Rinker) zwischen Mühlbach und Brehmbach sowie die schwierige Einmündungssituation an der Tauberbrücke zwischen Tauber, Brehmbach und Mühlbach

 

 

Mühlbach, Brehmbach, Tauber(brücke)























Mühlbach, Brehmbach, Tauber(brücke), Stadtmodell 1750