Richard-Trunk-Straße

Die Straße entwickelte sich nach 1900. Vom Bahnhof herunter. Oder zum Bahnhof hoch. Und das ziemlich gefällig bzw. steil. Sehr viele Häuser haben diese Straße nie begleitet. Am unteren Anfang gab es noch eine Gärtnerei, die die eine Straßenseite der Richard-Trunk-Straße begrünte. Da der Schafweg sich nicht zur Zustraße zum Bahnhof entwickelte, sondern ein Weg blieb, ergänzte die Richard-Trunk-Straße diese Funktion. Vielmehr Bedeutung erlangte die Richard-Trunk-Straße nicht. Die Bahnlinie trennte den direkt schnellen Zugang zu den sich neu entwickelnde Wohn- und Industriegebieten jenseits der Bahn vor der Richard-Trunk-Straße ab. Man mußte also am Bahnhof vorbei zum Bahnübergang zurück. Schon vor der Ernennung Richard Trunks zum Ehrenbürger der Stadt, nannte man diese Straße nach ihm. Seine erste Tondichtung machte Richard Strauss nach Gedichten von Fredy Schmidt - später als Alfred Schmidt-Noerr bekannt. Der seine Jugendzeit in Tauberbischofsheim verbrachte. Einige seiner letzten Vertonungen galten Gedichten des aus Tauberbischofsheim stammenden Josef Meyer. Sie waren zudem seiner Heimatstadt Tauberbischofsheim gewidmet. Richard Trunk wuchs ja nicht in der Richard-Trunk-Straße auf, sondern in dem bekannten Haus am Marktplatz. Schon als Sechsjähriger hat er, auf der Treppe des Marktplatzelternhauses sitzend, mit der Ziehharmonika Volks- und Tanzliedchen gespielt. Auf die brauneren Seiten Trunks soll hier nicht eingegangen werden. Das ist an anderer Stelle bereits erfolgt. Und die Richard-Trunk-Straße kann ja dafür auch nichts. Sie hat sich ihren Namen ja nicht selbst ausgesucht. Zudem wurde sie ja vor der braunen Zeit nach Trunk benannt aufgrund seiner musikalischen Erfolge. Noch zu Zeiten des Bürgermeisters Diebold. Der dann von den Nazis abgesetzt wurde. Der in Marktheidenfeld lebende Schriftsteller Peter Roos kritisiert in seinem Roman „Hitler lieben“ den Büschemer Umgang mit Richard Trunk: „In Tauberbischofsheim ist es normal, Hitlers Chorkomponisten, Propagandasänger und Liederschreiber, Professor Richard Trunk, mit Straßennamen und Ehrenbürgerschaft zu honorieren. Seine Erbschaft war willkommen, bis heute“ (S. 49). Ganz so einfach ist das nicht mit Richard Trunk. Mit der Richard Trunk Musikschule hob sich in Tauberbischofsheim das musikalische Niveau der Stadt, der musikalischen Jugenderziehung. Richard Trunk vertonte auch Strophen von Heinrich Heine. Vor und nach dem Dritten Reich.