Zehntsteine

Nachdem ich einige Zeit mit der Gemarkungsgrenzsteinjagd, dem Grenzgang, verbracht habe und dabei auch einige Steine gesehen habe, die nicht so leicht einordenbar waren, stieß ich in den Büschemer Zehntbeständen auf eine weitere besondere Grenzsteinart: den Zehntsteinen. Nur in wenigen Gemeinden sind solche noch aufgestellt, ausgestellt. Obwohl sie früher sehr zahlreich in der Gemeindeflur vorhanden waren, sind sie heute sehr rare Exemplare. Vielfach wurden sie nach der Zentablösung bei den Grundstücken ausgegraben und anders verwendet. Oft in Mauern eingesenkt. Gibt es in Büscheme noch Zehntsteine? Noch kann ich diese Frage nicht beantworten. Aber ein schönes Projekt, nach ihnen zu forschen. Auch nochmal z. B. die am Schloss angebrachten Steine genauer überprüfen, ob sie auch wirklich alle Gemarkungssteine sind, und nicht etwa Zehntsteine. Auch gilt es manche Orte an Grundstücksgrenzen genauer zu prüfen, an denen Grenzsteine auffällig angeordnet sind. Eine Suche in den Büschemer Chroniken wird zunächst noch nicht fündig. Keine Hinweise auf noch vorhandene Zehntsteine, keine Abbildungen von ihnen. Die kleinen Publikationen der Tauberfränkischen Heimatfreunde wären auch noch nach den Zehnsteinen zu durchsuchen. Es gibt eine Liste der Büschemer Flurdenkmale. Auch hier gilt es mal reinzuschauen. Möglicherweise haben auch Bauern solche Zehntsteine auf ihren Grundstücken eingesammelt. Schwierig macht die Suche nach den Zehntsteinen die elende Aufforstung mit Kiefern auf den ehemaligen Weingärten, da hier mit heftig dichtem Unterholz, Sträuchern, Moos, umherliegenden Steinen die Suche äußerst erschwert wird.

 

Die Büschemer Akten sprechen oft von solchen Zehntsteinen. Insbesondere in den Verzeichnissen der Büschemer Zehntbestände. Hier wurde genauer aufgeführt, wer welchen Zehnt zu leisten hatte. Oft wurde am Grundstück ein Zehntstein errichtet, der angab, welcher Zehnt an wen zu entrichten war. Allerdings wurde dabei Kürzel verwendet, die heute nicht von vornherein eindeutig klärbar sind. Schauen wir mal in das:

 

"Verzeichnis der Bischofsheimer Zehntbeständer von 1495"

 

Am 18. November 1494 haben sechs Landschieder aus Bischofsheim (drei alte, drei neue) im Beisein eines Notars die Zehntanteile für Mainzer Stift St. Victor und den großen Zehnt für das Mainzer Domkapitel festgelegt. Der fällige Zehnt wurde jeweils mit einem Zehntstein bei den Grundstücken dokumentiert und gesetzt. Also wer den Zehnt erhielt, welcher Zehnt zu entrichten war. An vielen Zehntsteinen zeigen Kreuze oder Kelche den kirchlichen Besitz an. An manchen Zehntsteinen war auch angegeben, wenn das Grundstück zehntfrei war, also z. B. ZF.  Die Zehntsteine waren aufgrund ihrer Pflichten nicht beliebt bei der Bevölkerung und wurden deshalb auch gern entfernt. Zahlreich besonders mit der Ablösung der verschiedenen Zehntformen nach 1830. Im Zehntbestand von 1495 werden die Setzung neuer Zehntsteine besonders erwähnt. Ebenso bereits vorhandene:


"Item bei dem Pfarracker am steinigen Weg gegen den Forst hinaus, da steht ein Stein, der scheidet den großen Zehnt und den Victors Zehnt.

 

Item es steht ein Stein im Ebelins Acker, falls man an dem Mittelberg den Weg hinausgeht.

 

Item auf der anderen Seite des Weingartens, der dem St.-Nikolaus-Altar gehört und dem Hans Metzler, steht ein Stein, der scheidet auch den Victors Zehnten und den großen Zehnten.

 

Item hat man einen Stein gesetzt in Claus Storken Weingarten bei Lorenz Scherer und Mathäus Steinbach. Dieser Stein scheidet auch den Victors und großen Zehnten.

 

Item wurde ein neuer Stein gesetzt zwischen Kempust und Adam Ziegler, den nun hat Lazarus. Da gehört's oben aus in St. Victor.

Item wurde ein Stein erneuert an der Anwende zwischen Lienhart Koyn und Endres Physter, den jetzt hat Hans Schmidt von Neubrunn. Der Stein vermerkt den Unterschied des Victors- und des großen Zehnten am Goetzberg.

 

Item die Acker von Hans Fürnenkorns bis zum Kreuz vorn am Heynlberg geben den Zehnten halb an St. Victor und halb in den großen Zehnten.

 

Item am Kychelberg, von dem Stein an, der da steht, oben an Fritzen Fugers Weingarten, der dem Peter am Steg gehörte, an dem selbigen Stein die gleiche Anwende herfür gegen die Stadt zu bis zu Peter Fugers Weingarten und einen kleinen Hocken herab bis zu Hamburgs Weingarten und zwischen Peter Fugers Weingarten und Hamburgs Weingarten hervor zwischen Sentzheimer und Kannenberger bis auf die Äcker, alles was an Weingärten liegt, gibt unter der Anwende nach dem Impfinger Weg herab den großen Zehnten."

 

(Siehe Ogiermann, Tauberbischofsheim im Mittelalter, Rechte des Mainzer Stifts St. Victor auf den Bischofsheimer Zehnten (1212 - 1533), Seite 179 - 185)

 

 

 

 

So wie an der Wand des Nebengebäudes, neben dem Schärfstein, ist noch in Gärten, Höfen, Hinterhöfen, Bauernhöfen zu prüfen, ob nicht zur Zier ein Zehntstein mit aufgestellt ist

 

In diesem Vorgarten befinden sich noch weitere Steine, die Gehrig/Müller auf Seite 459 versuchen zu deuten. Der Stein im Hintergrund konnte nicht entschlüsselt werden: Er zeigt die Jahreszahl 1745, ein Kreuz mit Doppelbalken, und die Buchstaben FMS. Die lassen sich bisher nicht einem historischen Büschemer zuordnen. Auch nicht der Familie Schäffner. An der Sonnenplatz-Apotheke ist ein Türsturz zu sehen mit den Versalien IMS, sowie dem Kaufmannszeichnen, das als Grund ein Doppelkreuz hat, dessen erste Horizontale mit einer Diagonallinie zur Spitze der senkrechten Linie geht. Die beiden Initialien für die Vornamen stehen über dem S für Schäffner. Ähnlich wie auf diesem Stein in der Frauenstraße. Aber auch die wenigen bekannten Zehntsteine in anderen Gemeinden weisen eine ähnliche Struktur auf. Ein noch schöner, offener Forschungsbereich für Büscheme. Wäre schön, wenn doch noch bei der Suche ein Zehntsteine herauskommen würde, um auch diese Vergangenheitssymbolik dokumentieren zu können.

 

 

 

 

Spital

 

In Bischofsheim gab es zwei Spitale: Das reiche und das arme. Reichenspital und Armenspital. "Das Spital besaß damals beträchtliche Grundstücke, Waldungen, Gerichtsbarkeiten, Gülten Zehnten, Zinsen im weitem Umkreis, so in Uissigheim, Dienstadt, Eiersheim, Dittigheim, Buch a. Ahorn, Boxberg u.s.w., wurde sogar 1403 'Herr von Dienstadt in Wald und Dorf'." ... "Die Güter betrugen zu Anfang des vorigen Jahrhunderts 34 Morgen 'gemeines Zinsfeld', welche, verpachtet, einen Naturalpacht  von 27 1/4 Malter Hafer einbrachten." (Julius Berberich, Geschichte der Stadt Tauberbischofsheim, S. 249, 1895) 

 

"Das Hospital war seit alter Zeit im Besitz eines eigenen Zehntdistrikts im Brehmenleiten; er war abgesteint und umfasste 20 Morgen 40 Ruthen. Im Jahr 1844 gehörten dazu einschließlich der Weinberge 32 Grundstücke. Der gesamte große Zehnt, der Weinzehnt und auch der kleine Zehnt standen dort dem Spital zu; andere Zehntrechte, etwa des Mainzer Domkapitels oder der Tauberbischofsheimer Pfarrei, gab es im Brehmenleiten nicht. Der Weinzehnt wurde nur als ein Zwölftel erhoben; als kleiner Zehnt (von den Hackfrüchten) wurde die zehnte Reihe genommen, als großer Zehnt (vom Getreide) die zehnte Garbe." (Gehrig / Müller, Tauberbischofsheim, Seite 104, 1997). Der Stein mit der Aufschrift 'Spital' könnte also ein "abgesteinter" Zehntstein des Zehntdistrikts in der Brehmenleiten sein. 


 

Zwischen dem Löhlein und der Brehmenleiten, also inmitten der westlichen Büschemer Gemarkung, fern der Gemarkungsgrenzen, finden sich Steine mit den für Gemarkungsgrenzsteinen typischen B für Bischofsheim und dem Mainzer Rad. Es fehlt das Gegenstück der anderen Gemeinde auf der gegenüberliegenden Seite des Steines. Es soll hier also keine Gemarkungsgrenze bezeichnet werden, sondern ein besonderer Bereich von Besitz und Rechten.


 

Sehr interessant ist auch eine Sammlung von Steinen, die Beschriftungen aufweisen, privater Hand entlang eines Grundstückes. Hier wären noch die Bezeichnungen auf den Steinen genauer zu dokumentieren, zu lesen. Ob nicht auch hier sich Hinweise auf Zehntsteine finden.


 


 

Privates Steinfeld


 


 


 

 




 


Brehmenleiten / Löhlein