Dittwarer Bahnhof

Der Dittwarer Bahnhof. Ein Bahnhof für ein Tauberbischofsheimer Industriegebiet. Ab den 1950er Jahren. Von der Gießerei Faber heute nichts mehr zu sehn. Wie weggeschwemmt wie bei der letzten Überschwemmung. Dennoch wurde das Industriegleis wiederhergestellt. Der Niedergang einer Tauberbischofsheimer Arbeiterkulturstätte war damit nicht zu verhindern. Das Bahnhofsgebäude. 1914 errichtet. Mehr für Güter als für Personen. Heute privat. Das Gleis auch hier herausgerissen. Ein schönes historisches Bild zeigt wie am Bahnhofsgebäude eine Sau geschlachtet wurde. Es fuhr ja nicht so oft ein Zug nach Königheim. Da hatte man noch Zeit für fleischliche Genüsse. Sechs Mal am Tag fuhr ein Zug nach Königheim. Und auch wieder zurück. Das Kalkwerk Wild nutzte früher stark den Dibberer Bahnhof zum Versand seiner Kalkprodukte und erhielt hier seine Lieferung an Koks für die Kalkbrennerei. Im Heidenkessel wurde Travertin abgebaut. Auch für das Reichsparteigelände. Verladen wurde am Dittwarer Bahnhof Baumstämme aus den Heckfelder Wälder (Siehe dazu auch Robert Frei, Beispiel: Bahnhof Dittwar - Das "Dibbermer Bahnhöfle". In: Edelmann, Deißler, Schifferdecker, Tack: Die Eisenbahn im Main-Tauber-Kreis. Eine Dokumentation. Tauberbischofsheim 1990, Seite 236/237) 

 

Die Bahn nach Königheim hieß das "Kennemer Bimmelbähnle" oder auch Kenjum. Hatte aber auch Namen wie Brehmbachtalblitz, Kartoffeldämpfer, Ententöter. Ab 1934 fuhr - sehr schwerfällig - ein Dampftriebwagen, Baujahr 1898. Bei einem ungünstigen Halt fielen Kolben, Pleuelstange in eine Art "Totpunktverhalten". Der Dampftriebwagen bewegte sich dann bei der Anfahrt keinen Millimeter weiter. Dann durften die Fahrgäste mithelfen, um mit dem Wagenschieber - einem Stemmeisen - den Dampftriebwagen, die Pleuelstange in eine günstigere Position zu schieben (Hermann Thoma, Das störrische Dampfroß - Ein Erlebnis mit dem "Brehmbachtalblitz" vor mehr als einem halben Jahrhundert. Seite 413f. In: Edelmann et al) 

 

Einer Geschichte nach soll sie sich einmal selbständig gemacht haben und allein - also ohne Lokführer - nach Königheim gefahren sein. Dort wurde sie mit Hallo begrüßt. Bohrte sich aber anschließend in den Berghang. Da ja unabgebremst in Königheim eingefahren. (Bischemer Böse Buwe S.32/33) Eine andere Geschichte will wissen, dass der Lokführer auf dem Fahrrad die Lok eingeholt und damit ein Unglück verhindert habe (Siehe Veröffentlichung Heimatverein Brehmbachtal zur 100jährigen Eröffnung der Linie Tauberbischofsheim - Königheim und Günter Schifferdecker, Heitere und ernste Reminiszenzen, Seite 430. In: Edelmann et al). 

 

Eine schöne Hoase-Franz Geschichte gibt es zu einer Bahnfahrt mit dem Kenjum. Als er in Richtung Bischeme fuhr, am Dittwarer Bahnhof eingestiegen war, kratzte er seine durchaus verdreckten Schuhe im Wagen sorgfältig ab. Mit dem Spruch: "In Bischeme drinn gäbt's Drääg groad gnuuch. Vor woas'n aa no nejtroache?"

 

Ab den 1950er Jahren fuhr ein Schienenbus auf dieser Strecke. 1968 brachte das Ende des Personenverkehrs und ab 1969 wurde das Gleis zwischen dem Dittwarer Bahnhof und Königheim abgebaut. Eine gewisse Gefahrenstelle auf dieser Strecke war auch, dass Lausbuben gerne Steine auf die Gleise legten. Und damit die Lokführer zu noch langsamerer Fahrt als schon gegeben zwangen. Die Bahnlinie nach Königheim war immer defizitär. Damit vom Ende bedroht. Die Weiterführung der Strecke in Richtung Walldürn, Hardheim war aufgrund der Höhenunterschiede mit sehr hohen Kosten verbunden. Und unterblieb. Auch weil mit wenig Verkehr auf dieser Strecke gerechnet wurde.