"Neue" Würzburger Straße / Julius-Berberich Straße 

1890 wurde die Straße nach Großrinderfeld neu erbaut und in der Wegführung in die Edelberghohle / Moosighohle verlegt. In den Jahren danach entwickelte sich eine kleine Vorstadt in diesem Bereich. Entlang der Würzburger Straße, an der Julius-Berberich-Straße, an der Schlacht bei der Straße Richtung Mergentheim und an Laurentiusbergstraße. 1894 wurde das Gebäude direkt an der Tauberbrücke errichtet. 1945 traf ein Artilleriegeschoß aus amerikanischer Kanone den Keller des lang gezogenen Hauses in der Julius-Berberich-Straße, als einige deutsche Soldaten hier sinnlos den Krieg nach Tauberbischofsheim hinbringen wollten. Acht Menschen fanden hier den Tod. Auch Zivilpersonen.  

 

In der Gründerzeit entwickelte sich in vielen Kleinstädten besonders entlang neuer Infrastrukturen wie Eisenbahn und neuer Straßenanlage neue Stadtviertel, besonders auch ein Amtsviertel. In Tauberbischofsheim in Richtung Bahnhof, entlang der Schmiederstrasse, am Wellenberg und rechts der Tauber entlang Würzburger Straße und Mergentheimer Straße. Aber erst nach 1945 wurde die eher punktuelle Bebauung verlassen und Bebauungsplan mäßig in größeren Abschnitten gebaut. Die Stadt stellte Firmengründern (nach 1945 nach Tauberbischofsheim gekommenen) günstig Gelände zur Verfügung oder erstellte gar das Produktionsgebäude für Strickwaren, Handschuhe, Textilien. Die Edeka nahm das ehemalige Gelände des Reicharbeitsdienstes ein. In einem Gebäude der Würzburger Straße siedelte sich nach 1945 ein Verlag an, der Leihbücher produzierte und vertrieb. Siehe auch: Leihbücher Ein Mischgebiet entwickelte sich mit unterschiedlichen Dienstleistungen und Angeboten neben der Wohnfunktion. Behörde, Grundschule, ev. Kirchenzentrum kamen dazu. Tankstellen, Autohändler, Drogerie, auch Landwirtschaft. Später auch noch die kath. Bonifatiuskirche mit kahler Betonsachlichkeit.

 

Nach dem Straßenneubau von 1890 wurde ab der Tauberbrücke die Würzburger Straße als Kastanienallee bepflanzt. Diese wurde in den 1960er Jahren, als der Autoverkehr immer mehr zunahm, gefällt. Bis zum Bau der Umgehungsstraße wälzte sich die Masse der Autos durch die Würzburger Straße, durch die Hauptstrasse, später Schmiederstrasse, in Richtung Buchen. Als Spätfolge der Autobahn nahm der Verkehr über die Würzburger Strasse in Richtung Würzburg immer mehr ab. Die Bundesstrasse B27 verlor in Richtung Würzburg ihren Bundescharakter und wurde zur Landesstrasse. Beim Bau der Umgehungsstrasse veränderte sich das Landschaftsbild der neuen Würzburger Strasse im Bereich der Edelberghohle dramatisch: Brückenbau, Eingrabungen in den Laurentiusberg, Abgrabungen am Brennerhang, Verdolung der Edelberghohle, Gräben.

 

Als Kinder durchquerten wir die Rohrverdolung mit abenteuerlicher Lust. Da bei einer der Verdolungen eine Krümmung vorhanden war, konnte das Ende der Verrohrung nicht gesehen werden. Es war also eine Teilstrecke ziemlich im Dunkeln. Das erforderte dann schon einigen Mut hindurch zu laufen. Mit dem Größerwerden entwertete dieser Spielplatz seine Bedeutung. Mit der Verdolung der Edelberghohle verlor der Bereich ab der ehemaligen Gaststätte "Block", vorbei an den Gärten in der Kachelstr., Zugelderstrasse, Albert-Schweitzer-Strasse den Charakter des Hohlgrabens. Und damit auch seine Funktion als Schleichweg am Rand entlang. Der in der Faberstrasse bei einem Kirschbaum meines Onkels endete. Die Oberfläche der Edelberghohle wurde privatisiert. Erde drüber und abgegrenzt durch Zäune. Früher war ja das "Plündern" eines Kirschbaumes noch eine willkommene Abwechslung im grauen Alltag. Man konnte praktisch kostenlos die Süße der schwarzen Herzkirschen aufnehmen. Etwas Süßes war bis in die 1960er Jahre noch nicht etwas alltäglich Selbstverständliches wie heute für die kleinen und großen Kinder. So freute man sich besonders über jeden allein stehenden, unbeobachteten Kirschbaum.

 

Ein schöner Kindheitstraum in Verbindung mit der Edelberghohle - der unverdolten - ist mir auch heute noch in bester Erinnerung. Im Traum wanderte ich entlang der Edelberghohle und entdeckte überall im Erdboden Autos der Wikingreihe. Brauchte nur mit der Hand über bzw. durch den Erdboden zu streichen und hatte welche in der Hand. Wikingautos waren leider für mich in der Kindheit ganz selten erhältlich. Spielzeug-Hoffmann führte diese nicht. Da blieb nur die Traumwelt übrig um sich reichlich einzudecken. Ganz entsetzt erlebte ich das Ende dieses wunderschönen Spielzeugtraumes. Als mir von den intensivst erträumten Wikingautos nichts mehr übrig blieb. Die Sehnsucht nach der erfolgreichen Wiederkehr bzw. nach der Realisierung des Traumes erklärt vielleicht, warum ich mich auch heute noch gern im Bereich der Edelberghohle herumtreibe. Ein Wikingauto habe ich allerdings bis heute dort noch nicht gefunden.

 

Siehe auch unter Edelberghohle

 

 

Hoch zum Brenner

 

Den Brenner hoch. Das ist durchaus eine gewisse Kraftanstrengung. Eine Höhenbesteigung. Die Alte Würzburger Straße hoch – heute Albert-Schweitzer-Straße. Mit unseren kindlichen sehr einfachen Fahrrädern ohne Gangschaltung nicht ohne Schieben möglich. Oder über die Kachelstraße den Hang hoch. Noch war nicht alles privatisiert und eingezäunt. Oder bei der neueren Würzburger Straße den sogenannten Zick-Zack-Weg hoch.

 

Um sich diese Kraftanstrengung zu ersparen sah man einen Büschemer am Feierabend stets ab der damaligen Aral-Tankstelle Esser am Straßenrand stehen. Hoch zum Brenner wollend. Aber mitgenommen hoch werden wollend. Er bewegte sich kaum noch vom Fleck weg. Immer auf Lauer. Immer auf der Aussicht, einen Bekannten oder Nachbarn zu entdecken. Der ihn hoch auf den Brenner mitnehmen würde. Die Zeit schien für ihn still zu stehen. Keine Rolle zu spielen. Gern schauten wir ihm dabei zu. Vom Giller aus. Auf den Mäuerchen sitzend, die die Gründerzeithäuser in diesem Bereich boten. Immer gespannt, ob es ihm auch dieses Mal gelingen würde, mit hoch auf den Brenner genommen zu werden. Wir freuten uns kräftig, wenn das nicht auf Anhieb gelang. Hatte er mal einen Schritt weiter in Richtung Brenner tun müssen, schaute er umso energischer auf die Autos, die Richtung Brenner fuhren. Und manchmal schüttelte er auch unwillig den Kopf. Über die Ungerechtigkeit, nicht hoch auf den Brenner mitfahren zu können. Man kannte von Brenner-Vätern den fluchenden Ausspruch „Jetzt steht der schon wieder da!“ Weil das immer auch hieß, anzuhalten im dichten Verkehr, ihn einsteigen zu lassen, mitzunehmen, und zu Hause auf dem Brenner auszusetzen. Aber fast immer gelang es ihm, mitgenommen zu werden. Er hatte einfach eine zu große Ausdauer. Mit seinem Ausstehenpotenzial. Am Straßenrand. Mit seiner unglaublichen Fähigkeit, Nachbarn und Bekannte erkennen, erfassen und zuwinken zu können. Zum Anhalten zu bewegen. Um hoch zum Brenner zu gelangen.