Büschemer Landjuden

 


 

Johannes Georg Ghiraldin: Die Juden im Tauberbischofsheimer Raum. Text eines Vortrages, gehalten bei den Tauberfränkischen Heimatfreunden am 7. März 2002, in der Schlossdiele in Tauberbischofsheim. Herausgeber: Verein Tauberfränkische Heimatfreunde e.V., Tauberbischofsheim o. J. Bezugsadresse: Schlossplatz 7, 97941 Tauberbischofsheim

Der Text eines Vortrages von Ghiraldin streift die Historie der Juden in Europa, speziell in der Region Tauber-Franken und hier besonders der jüdischen Gemeinden in Tauberbischofsheim, Dittigheim, Impfingen und Hochhausen, bis zur Vernichtung der Tauberbischofsheim Landjudengemeinden in der NS-Zeit. Dieser schmale Band, der in der Mitte in Farbphotos noch vorhandene Spuren (Jüdische Friedhöfe, Synagogen, Hochzeitsstein, Wohngebäude) abbildet, kann eine notwendige Dokumentation des Lebens der Landjuden in Tauberfranken nicht leisten, nur andeuten indem er mit Walter Sauer, einen durch rechtzeitige Emigration nach Palästina Überlebenden der Tauberbischofsheimer Gemeinde zitiert. Der Vater Sauers verweigerte die Emigration mit der überzeugten Einstellung, dass einem Träger des Eisernen Kreuzes aus dem 1. Weltkrieg nichts in der NS-Zeit geschehen könne. Eine fast typische Haltung im mittelständischen, gebildeten landjüdischen Bürgertum der Kleinstädte, das nationalkonservativ geprägt war.




Gerd Stühlinger, Johannes Georg Ghiraldin, Sarah Schroeder, Christoph Ries, Katja Rüger, Gunter Schmidt und Stefan Henninger (Projektgruppe Mahnmal, Herausgeber): Wegverbracht. Das Schicksal der Tauberbischofsheimer Juden 1933-1945. EINE DOKUMENTATION. Tauberbischofsheim 2009.

Der Spurensuche von Tauberbischofsheimer Jugendlichen verdankt sich diese Projektdokumentation über die jüdischen Bürger Tauberbischofsheims sowie die Aufstellung eines Mahnmals bei der Peterskirche und eines zweiten Memorialsteines in der zentralen Gedenkstätte in Neckarzimmern. Vier Jugendliche, Schüler des Gymnasiums, hatten ab dem Herbst 2007 die Initiative ergriffen, die die Erinnerung an das Schicksal von über 5500 Juden erneuern sollte, die am 20. Oktober 1940 nach Gurs (Südfrankreich) deportiert wurden. 

Die Dokumentation erinnert gleichzeitig an die große Lücke innerhalb der Tauberbischofsheimer Stadtgeschichte(n). Weder das Buch von 1955, noch das von 1997 haben eine besondere (eigenständige) Darstellung des Schicksals der Tauberbischofsheimer Juden geleistet. Der Initiative der Schüler ist es zu verdanken, das die Arbeit von Bernhard Müller „Juden und Judenpolitik in Tauberbischofsheim von 1933 bis 1945. Wissenschaftliche Arbeit zur Prüfung für das Lehramt an Gymnasien. Universität Heidelberg. 1980“ wieder entdeckt wurde, nachdem die Arbeit aus dem Stadtarchiv verschwunden war. Man konnte beim Autor Kopien der Arbeit ziehen! 1989 hatten sich Schüler des Gymnasiums mit der „Nacht, in der die Synagogen brannten“ mit den Tauberbischofsheimer Geschehnissen beschäftigt und konnten noch auf die Arbeit Müllers zugreifen (Siehe Schülerzeitschrift „Bullauge“, Nr. 17 von 1989, Seite 63f.). Diese einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wäre eine wichtige Aufgabe!

Die Spurensuche der Jugendlichen brachte auch den amtsbürokratischen Jargon, der damals in Tauberbischofsheim herrschte, aus der Vergessenheit ans Licht. Die Deportation nach Gurs wurde dem kalten, zynischen Begriff „wegverbracht“ umschrieben. Abgedruckte Bilder in der Dokumentation zeigen die Unmenschlichkeit, mit der dabei vorgegangen wurde. Zwei Zeitzeugenberichte über die Vorgänge in Tauberbischofsheim liefert der Band, was seine Bedeutung unterstreicht, auch wenn von Schülern keine originäre Forschungsarbeit zu erwarten war. Der Wert liegt in der Spurensuche, in der Intention, in der Durchführung des Projektes, das zudem mit der Gestaltung des Gedenksteines durch Mitglieder des Tauberbischofsheimer Kunstvereins sich in die Erwachsenenwelt hinein erweiterte und breitere Kreise erreichte. Auch die notwendige finanzielle Unterstützung fand durch Tauberbischofsheimer Bürger und Verbände statt. In einer würdigen Feier in der Peterskirche wurde das Mahnmal der Tauberbischofsheimer Öffentlichkeit zugänglich gemacht, zudem fand eine Gedenkveranstaltung in Neckarzimmern statt. Ein besonders gelungenes Beispiel bürgerschaftlichen Engagements, das von Schülern ausgehend weite Kreise in dieser Kleinstadt gezogen hat und mit dem Mahnmal einen neuen Öffentlichkeitsraum der Erinnerung an die Tauberbischofsheimer Landjuden geschaffen hat. 

 


 

Chana Sass: Von Tauberbischofsheim nach Jerusalem. Das Schicksal einer Jüdin aus Tauberbischofsheim. Die Biographie von Chana Sass. Übersetzt von Anton Davydov. Tauberbischofsheim 2013.


 

Three Patriarchs of Dittigheim. From the history of the Strauss Family. By Max J. Strauss, L. L. D. / Drei Patriarchen von Dittigheim. Aus der Geschichte der Familie Strauss. Von Dr. jur. Max J. Strauss. Herausgeber: Heimatverein Dittigheim e. V. Tauberbischofsheim 2014


 

Die Memoiren von Levi Straus. Episoden aus dem Leben eines Bischofsheimer jüdischen Bürgers der Weinhändler-Dynastie Straus (Strauß - Strauss). Herausgegeben von Johannes Ghiraldin. Tauberbischofsheim 2015


 


 

 

Auf www.traumaland.de habe ich einige Hinweise zur Geschichte der Büschemer Landjuden gegeben:
http://www.traumaland.de/html/landjuden.html