Sonnenplatz

Der Sonnenplatz bekam seinen Namen von der Sonne der Gastwirtschaft Sonne. Eine der ältesten Gastwirtschaften von Büscheme. Wenn auch nicht zur ummauerten, umtürmten Stadt gehörend, sondern zur Voorschd, der oberen Vorstadt. Man nannte sie auch Herberge in der obern Vorstadt. Oder einfach auch Herberge außerhalb der Mauern. Die Sonne war eine durchaus bedeutende Gastwirtschaft. Schon 1578 erwähnt. Der Name Sonne für 1629. Sie stand da, wo später das Reichspostamt erbaut wurde. Mit einem Übergang war sie dem Gebäude der heutigen Wirtschaft Zum Ritter verbunden. Als die Sparkasse das Gebäude des Reichspostamtes an dieser Stelle erbaute, wurde die Sonne abgerissen. Und direkt neben an wieder aufgebaut. Der Übergang verschwand und damit begann der Ausbau der breiteren Bahnhofstraße. Den Sonnenplatz ziert die Apotheke und neben der Badische Hof, der die Posthalterei beherbergte. Das linke Gebäude im Hof des Badischen Hofes wurde später zum jüdischen Gemeindehaus. Neben dem wilhelminischen Görreshaus steht ein prächtiges Fachwerkhaus, das noch an die ursprüngliche Bebauung des Sonnenplatzes erinnert. Von der umrahmenden Architektur der verschiedenen Baustile her, vom umfaßten Bauvolumen ist der Sonnenplatz einer der schönen Plätze Büschemes. Wenn auch durch Straßenverkehr, durch die Parkplätze selten als Platzraum erlebbar. Außer am Altstadtfest, wenn der TSV hier sein Fallschirmzelt und seine Buden aufbaut. Der Abschluß des Sonnenplatzes Richtung Stadt zeitigt ästhetische Herausforderungen. Links die 70er Jahre-Übergröße der Sparkasse, rechts das 60er Jahre-Gebäude von ehemals Elektro-Mause. 


In den 1970er Jahren gab es in Büscheme noch richtig gute Büschemer Wirtschaften. Nicht modern. Halt büschemerisch. Älter. Etwas vergangen. Die Wandvertäfelung abgenutzt. Von Büschemern frequentiert. Das weiße Ross. Der Hammel. Grüne Baum. Schwanen. Ritter. Sonne. Engel. Krone. Badischer Hof. Die Sonne war noch kein Pizza Pie. Sondern eine Gastwirtschaft in der man gern eine Halbe trank. Oder gar einen Stiefel. Gemeinschaftlich. Die Sonne hatte auch ein Nebenzimmer. Eines Tages lud die NPD Mitte der 1970er zu einer Versammlung ein.

 

Um 1969 versuchte die NPD ein größeres Comeback im Taubertal. Der NPD Parteitag wurde in Wertheim durchgeführt. In Büscheme outeten einige Büschemer Bäcker, Zahnärzte ihr rechtes Bewusstsein. Und kandidierten. Adolf von Thadden, der Parteivorsitzende, wurde im September 1969 auf dem Tauberbischofsheimer Sonnenplatz erwartet. Er kam nicht. Er wäre empfangen worden von einer durchaus stattlichen Anzahl von Schülern des Matthias-Grünewald-Gymnasiums. So auch von mir. Im Proteste vereint.

 

Erst Jahre später wagte die NPD in Nebensaal der Sonne ein Comeback. Mit einem weit auswärtigen Redner. Der kein G aussprechen konnte. Sondern immer nur mit J. Also statt Gäste Jäste sagte. Nur wenig rechtes Publikumspotential war anwesend. Und das vor allem aus Dertingen angereist. Einer Hochburg. Und das trotz einer aufwendigen Dorfsanierung. Dorferneuerung. Der Dertingen unterworfen wurde. Nicht immer bestimmt das Sein das Bewusstsein. Vollständiger versammelt war das, was als Büschemer alternativer Scene zusammen gefasst werden konnte. Da der Vortrag trotz der auffallenden sprachlichen Spezifikation Jäste, in die der Vortragende auch die Büschemer Linksalternative freundlich einschloß und ansprach, und immer mehr bei Wiederholung zur allgemeinen Erheiterung beitrug, im eher hölzern-altväterlichen Stil gehalten wurde, wurden die im Nebensaal vorhandenen Flipperautomaten, da nicht abgeschaltet, zur weiteren Ausgestaltung des Abends genutzt. Und erzeugten eine enorme Geräuschkulisse in die Monotonie des Vortrages. Immer mehr waren die Flipper von der Menschenmasse umringt, während der Vortragende immer mehr in die Leere des Raumes sein Jäste sprach. Ankämpfend gegen den Sound der Flipper. Dem Gehämmer auf die Tasten und die Verglasungen der Flipperapparate. Und dem Gejohle dabei. Irgendwann gingen dann die Jäste der NPD. Die NPD feierte diesen Abend als großen Erfolg, da soviel Personen wie noch nie anwesend waren. So im Bericht an die Parteizentrale vermeldet. Es blieb ein peripherer Erfolg. Es konnte kein zweites Mal mehr mit der NPD geflippert werden. In der Sonne. Im Nebensaal.


Ein wenig geklärtes Rätsel der Vorstadt und des Sonnenplatzes ist, warum die Vorstadt nur zwei Tore gehabt haben soll, wo sie doch drei benötigte, um die Vorstadt einigermaßen sicher mit kleineren Mauern, Hecken, Wällen, Graben und Toren einigermaßen sicher geschützt zu umschließen. Kann die Vorstadt mit dem Miltenberger Tor Richtung Königheimer Straße und dem Schaftor Richtung des Schafweges tatsächlich am Sonnenplatz, an der größten Öffnung des Sonnenplatzes zum Oberen Tor hin offen gewesen sein? Wohl kaum. Gab es also ein drittes Tor der Vorstadt? Oder war gar das Renaissance-Schmuck-Tor das dritte Tor der Vorstadt? Was nützen Miltenberger Tor und Schaftor, wenn am Sonnenplatz ein breiter Bereich völlig ungeschützt, unbetort gewesen wäre. Ein offenes Rätsel, das so gar noch nie richtig bedacht wurde.

 


 

 

Kann der Sonnenplatz ohne Tor Richtung des oberen Tores gewesen sein; offen wie ein Scheunentor?