Raboll

Einiges schmeckte nach mehr. Auch in Büscheme. Hier gab es ein Getränk, das nach mehr schmeckte. Nach viel mehr. Ein Getränk des Noch-Nicht. Noch-Nicht Da. Des nach dem Noch Nicht Da Schmeckenden. Wir tranken es gern. Es hatte ein Mehr als das sonst in Büscheme Übliche. Des ansonsten Bekommenen. Vorgesetzt Gekriegten. Wir merkten früh die Leere in uns, die wir füllen wollten. Raboll - das war wie ein willkommener Zauber der Tauber. Wie ein Versprechen auf Kommendes. 


 

Die Raboll-Flasche wirkte mit seinen kleinen Rautenstückchen wie Kristall. Raboll wurde vom Büschmerischsten Getränkeproduzenten hergestellt. Zipf Bier - Zipf Bräu. Es wurde uns kostenlos nach dem Wurstschnappen bei den Büschemer Kröten in der Festhalle gereicht. An Fasenacht. Mit Ritzeboa (das mainzische Ritzamba beim Narhallamarsch). Erst später entdeckte man, dass das gute Raboll von Zipf Bier in Lizenz hergestellt wurde. Mit der Lizenz eines Herstellers aus Nordrhein-Westfalen. Es war für uns ein Getränk, das wie fundierte Hoffnung und gute Heimat tief in unsere Kindheit schien. Mit dem Durchmarsch des allgemeinen Massengeschmacks verlor Raboll seine Wirkung und wurde nicht mehr in Büscheme in Lizenz hergestellt und nicht mehr in der Krötenhalle gereicht. Sinalco, Bluna, Fanta, Cola siegten auf der ganzen Linie. Wir verloren so den kindlichen Geschmack des Nach Mehr Schmeckenden. Auch wenn wir weiterhin Mehr wollten.