Spitalweg - aka Weg zur Bahn

Den Spitalweg kennen nur wenige Büschemer beim Namen. Er müßte auch exakt genommen neuer Spitalweg oder auch Neues-Spital-Weg heißen. Da das arme und reiche Spital mitsamt der Spitalgasse, heute Klostergasse, wesentlich länger an ein Spital erinnert haben. Und das an einem anderen Ort. An einer anderen Gasse. Nachdem das reiche Spital abbrannte, entstand an der Schmiederstraße ab 1866 das neue Spital. Vorher war dort die Wohnung des Totengräbers. Der aber hatte seine räumliche Nähe zum Friedhof an der Peterskapelle 1865 mit der Verlegung des Friedhofes an die Hochhäuser Straße verloren. Zunächst war der Spitalweg einfach der Weg zur Bahn. Genauer zum Bahnhof. Kein historischer Weg. Vielleicht ein Trampelpfad. Sondern ein Weg, der mit der Stadterweiterung im Zusammenhang mit dem Fall der Stadtmauern, der Einebnung der Stadtgräben, neu entstand. Und danach irgendwann, als das neue Spital errichtet war, dessen Namen übernahm. Obwohl er eindeutig eine Zubringerfunktion zur Bahn hin hatte und auch heute noch hat. Spitalweg und Struwepfad sind stadtorganisch gesehen die kürzeste Verbindung von Bahnhof und Marktplatz. Also eindeutig profaner Bedeutung gewidmet. Aber im sakral aufgeladenem Büscheme, überlagert das Sakrale und das ganze Drumherum, das zu diesem katholisch aufgepumpten Sakralen gehört, das Profane. Der Weg zur Bahn durchquert sakrales, kirchliches Gelände. Rechts das neue Pfarrhaus, 1883 erbaut, darüber das Winfriedheim (Warum nicht Liobaheim?). Links das Spital, und wesentlich später der neue katholische Kindergarten. Da kann der Weg zur Bahn einfach nicht einfach Weg zur Bahn heißen. Und wurde zum Spitalweg. Auch wenn heute kaum ein Büschemer weiß, dass der Weg zur Bahn Spitalweg heißt. Und vorher Weg zur Bahn. Dabei war der Weg zur Bahn in Büscheme gar nicht so leicht zu finden. "Möcht an Bahnhof" fragte ein Büscheme besuchender Fremder den Doni, auch Küffle oder Karregelde genannt. Und erhielt als Antwort "Gehn Sie nur. Hab' nix dageeche." Der Fremde erlangte also keine Antwort wie "Durch den Spitalweg" hindurch" oder "Nem de Weech zur Bahn". Sondern eher eine Antwort, die an Kafkas Torwächter erinnerte. Da wundert es einen nicht, dass ein Büschemer eine Zeit lang an der Tauberbrücke Brückenzoll von jedem Vorübergehenden verlangte (Siehe Büschemer bösi Buwe, S. 51 und S. 32). Der Durchgang durch den Weg zur Bahn blieb allerdings Entgeldfrei.