Büchelberg - Galgenleite (Hinter der Kaserne)- Steige 

Schönste Höhenlandschaft. Hecken. Steinrasseln. Hänge. Ehemalige Weinberge. Halbtrockenrasen. Ackerlandschaft mit flankierenden Hecken. Thermophile Vegetation. Allerdings wandeln die Bauern immer mehr bisher extensiv genutzte Flächen in Acker um. Immer mehr Kleinlandschaften verschwinden nahezu unbemerkt. Eine Landschaft unbeschwerter Kindheit? Der (Bischemer) Opa hat hier einige unzusammenhängende Kleingrundstücke angehäuft. Wohl auch aus dem Noe-Besitz. Einige wurden von der Bundeswehr geschluckt. Wer weiß noch, dass der Stadtpfarrer den Widerstand einiger Bauern gegen die Ansiedlung der Garnisionäre als heiligen Kampf glorifizierte? Beim Aufsuchen dieser Grundstückchen stopfte man sich von den hier verbliebenen Weinstöcken die Trauben in den darauf bald verschmierten Mund.

 

Der früher kürzeste Weg nach Grünsfeld, über den Büchelberg zum Taubental hinabziehend hatte sich in die persönliche Erinnerung festgesetzt. Mit den Jahrzehnten der weinberglichen Nichtnutzung war dieser zugewachsen. Oft konnte man bei Geländebesuchen Teile des Weges wieder auffinden. Das Begehren machte sich breit, den Weg wieder einmal begehen zu können. So machte man sich in den 1990er Jahren auf, diesen Weg wieder frei zu schneiden. Eine schöne Arbeit. Im kalten Januar. Ohne wesentlich geeignetes Werkzeug. Der Wille zum Weg war da. Und setzte sich durch. Vom Charakter her ist dieser in den Hang gebaute Weg eher ein Triebweg, oder noch genauer ein Verbindungsweg. Ein Mittelweg erreicht nur die Mitte des Berges, Hanges. Während dieser Weg aus der Mitte des Taubentals kommend die Höhe des Büchelberges erlangt. Man vernahm das Lob eines Wegeskundigen, dass dieser nun überraschenderweise wieder nutzbar war. Kaum den Weg frei gemacht, rasierten die gut und besser ausgerüsteten Landschafspfleger den Hang von Schlehen frei. Dennoch. Der Wille zum Weg hatte sich durchgesetzt. Inzwischen wieder zugewachsen. In diesem Landschaftsbereich gab es auch noch "Löcher" zu bewundern. Vertiefungen im Gelände. In diese wurde oft Heckenschnitt, aber auch Müll hineingeworfen. Fest gesurrt in der persönlichen Erinnerung die Gestaltung einer versteckten Steinrassel. Mit versteinten Höhlen, in den der Most oder auch das Essen gekühlt gelagert wurde. Heute leider alles verfallen.  

 

Als Flurbezeichnung für die Wege auf dem Büchelberg wird Steig genannt. Der weiter oben oberhalb der Hangkante verlaufende wurde als die mittlere Steig benamt. Insofern ist der nun verbuschte Weg die untere Steig. Beide Wege führten in Richtung Grünsfeld. Aber auch auf die weiter entfernten Fluren der Brachenleite, des Langen Gewannes. Der linke steile Weg auf dem Büchelberg wurde obere Steig genannt. Verlief in Richtung Moosig.  Nur noch wenigen Einheimischen bekannt. In den alten Sagen findet sich allerdings oft der Name Steig. Also weniger Sage. Sondern aufsteigende Realität. Es geht aufwärts!

 

Zum Weg siehe auch Büchelberg

 

Die Galgenleite ist der Hangbereich runter zur Edelberghohle / Moosighohle. Oberhalb der Lorenzikapelle (Laurentiuskapelle) war das unbebaute, wohl halbtrockenrasenartige Galgenfeld. Hier stand der Galgen. Bis 1830 war noch ein Pfahl aufgerichtet.  Die Galgenleite wird oft als "ober deme" Galgen topographisch festgelegt. Vermutlich war der Galgen in der Nähe des Weges, der über den Laurentiusberg und über den Büchelberg in Richtung Grünsfeld verlief. Inzwischen durch das ehemalige Kasernengelände nicht mehr erkennbar ab der Laurentiuskapelle und am Hang gen das Taubental in Verbuschung begriffen. 

 

Neben dem Galgen (Galgenleite, Galgenfeld) soll ein Steinkreuz gestanden haben. Ein Landwirt bearbeitete seinen Acker mit seinem Sohn zusammen. Der war von der Arbeit ermüdet und nahm auf dem Pflug Platz. Die Zugtiere erschrocken beim Galgen. Von dem herab ein Gehenkter baumelte. Der Sohn kam unter den Pflug. Verlor den Kopf. Sauber vom Rumpf getrennt. Das Steinkreuz erinnert daran. Nun an der Laurentiuskapelle.

 

Ein Bauer namens Dürr äußerte im Spätsommer den Bedarf, dass die Ernte vom Büchelberg endlich heimgebrächt würde. Der uralte Knecht des Bauerns hörte den dringenden Wunsch, die Aufforderung. Dieser ging noch spät abends über die Steig zum Feld. Bauer Dürr eilte diesem nach. Verwundert über den spätabendlichen Gang des uralten Knechtes. Auf dem Büchelberger Feld  hörte er die Worte: "Schneid wacker, schneid hoch, schneid nieder, schneid fein". Verängstigt ging der Bauer nach Hause. Furcht vor dem Fruchtzauber des Knechtes. Als der Knecht nach Hause kam, teilte er dem Bauer mit, dass die Ernte zuhause wäre. Der Bauer, erschrocken, verängstigt vor dem Furchtzauber des Knechtes, entließ den Alten. Auf seinem Acker ließ er zum Gegenzauber eine Kapelle erstellen. Die Lorenzikapelle. Bei der Einweihung stieg das Bildnis des Hl. Lorenzi in die Höhe, verneigte sich vor den Anwesenden. Die diese himmlische Bewegung bezeugten. Der Bauer beackerte nun im Glauben einer himmlischen Segnung seine Äcker. Ohne den alten Knecht. Die Moral der Geschicht: Geh nie über die Steig. Des Büchelberges. Wenn du mit dem Teufel im Bund. Entlassung droht. Und Kapellenbau. Drum verbünde dich mit der Gewerkschaft. Und nicht mit dem Teufel. Hilft bei drohender Entlassung.   

 

In einer weiteren Galgenfeld Sage wurde ein Ehemann von der Ehefrau beauftragt in einer Nachbargemeinde günstiges Kuhfleisch zu besorgen. Leider vergaß der Ehemann den gattinigen Auftrag und vertrank das Geld wegen des Durstes, den der lange Zuweg hervorbrachte. Auf dem Heimweg kam er am Galgen vorbei. Dort baumelte noch ein Gehängter. Von dem schnitt er sich ein Rippenstück heraus und brachte dies der Ehefrau. Die daraus ein Mittagessen machte. Der Ehemann gab Magenverstimmung vor. Nachts ging ein Poltergeist im Haus der beiden um. Das häusliche Inventar ging zu Bruch. Eine Furcht erregende Stimme brüllte: "Meine Ripp, wo ist meine Ripp?" Immer wieder. Und auch die folgenden Nächte lang. "Meine Ripp, wo ist meine Ripp?" Der Ehemann gestand der Ehefrau die Herkunft des Fleisches und versprach Buße zu tun. Damit gab sich der Geist des Gehengten zufrieden und hielt nun Ruhe. 

 

Das Taubental. Büschmerisch. Daawerdle. Ein Rebenacker. Ein Weinbaugebiet. Ein Weingarten. Also Hacken. Rigolen. Südseite. Steil. Imposante Hänge. Thermophil. Wie der Vegationskundler einschätzt. Volle Sonneneinstrahlung. Vom Schreiber dieser Zeilen erprobt. In jahrelanger Praxis. Besonders bei einem Ereignis in den 1980er Jahren. Als man an Ostern über den Büchelberg streunerte. Voller Sonnenschein. Kurz vorher Schnee. Frost. Deshalb der Weg, genannt Steig, im flacheren Bereich, den man durcheilen wollte, eine volle Pfütze. Von der vollen Sonnenbestrahlung beflügelt, sprang man angesichts der fetten Pfütze rechts an den Ackerrand. Um die gewaltige Pfütze flugs zu umgehen. Der Rand indes völlig aufgeweicht. Plastisch. Vielmehr weicher als weicher. Man merkt schon im Springen an den Rand, dass dort weniger Festigkeit, als vor dem Sprung erwartet. Das Auftreffen des linken Fußes mehr ein Ausweichen, Aufweichen als sicherer Stand. Statt erwartetem sicherem Gebiet, Zuhause, ein Gleiten, Wegrutschen, Hinfort des ganzen Körpers nach links. Zur linken Seite, zur Pfütsche hin gezogen. Mehr Wasser, Feuchtigkeit als feste Masse, Landungsfläche. Geist und Körper waren eins in diesem Moment. Statt sicherem Hafen, festem Geleites, trockenen Gebietes, Nässe, Eintauchen in wässriger Brühe. So wurde links der Ellbogen ausgefahren. Zum Abstützen. Zum Bremsen. Zum Verhindern des Absinkens restlicher Körpermasse. Indes! Die Pfütze. Die büchelbergische. Tief. Tiefer als von Geist und Körper des in die Pfütze Fallenden erwartet. Des gemußtbar tiefer als tief Fallenden. Einsinkenden. Der linke Ellbogen war schutzhaft ausgefahren. Die Pfütze tangiert. Körper und Geist sinken unerwartet tiefer. Der Ellbogen. Dessen Wirkungskraft. Widerstandsfähigkeit. Überschreitend. Schnell überschreitend. Tief überschreitend. Linker Fuß, Bein, Oberschenkel linkerseits mit hinabziehend. Mensch und Pfütsche sind fast eins. Auf dem Büchelberg. Die Sonne scheint. Die Pfütsche zieht hinab  Den Körper. Die Körperhälfte. Die des auf dem Büchelberg ausrutschenden. Des nun tief triefend halblinks nass auf einen Steinriegel des Daawerdle Zueilenden. Die Hose linkerseits völlig nass. Das Osterwetter aber gegen 18 Grad emporstebend. Auf einem Steinriegel wird auch einem zur Hälfte Eingenässten geholfen. Durch die Sonnenstrahlen. Durch die Abstrahlung der aufgehäuften Steine. Nach einiger Zeit einigermaßen Trocknung der durchnässten Hosenteile. Die durch den Pfützenschlamm mitgegebene Trübfärbung blieb. Und ging auch nie mehr aus der Hose raus. Eine weniger zum Anziehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   

 

 

 

  

 

 

  

 

   

  

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

  

 

 

 

  

Der Autor, seine geliebten Stoarasseln auf dem Büchelberg etwas aus dem Fokus verlierend

 

 

 

 

Die Wege zum Büchelberg, zum Galgenfeld wurden Steig genannt. Leider hat das Kasernengelände die früheren Wegverbindungen unterbrochen. So dass nur noch Teilstücke vorhanden sind. Wer aber mal entlang des Laurentiusbergwegs, an der Kaserne vorbei, dann den ersten Feldweg am Ende der Kaserne hoch läuft, kann noch einiges vom erhöhenden Charakter der Steig erfahren. Vom Büchelberg aus hat man auch einen faszinierenden Überblick ins Taubertal, über den Brenner hinweg zum majestätischen Apfelberg.