Marktplatz


 

Der Marktplatz erscheint unverhältnismäßig groß im engen Stadtkörper. Die Größe ist der Funktion des Geleites geschuldet. Bischofsheim war Station der Reisenden. Die Fuhrwerke, Kutschen wurden auf dem Marktplatz abgestellt. Da man im Geleitzug reiste, also immer mehrere Händler, Reisende, benötigte man entsprechend Platz. Der Marktplatz sieht rechtwinklig aus. Bei genauer Betrachtung fällt auf, dass fast jedes Haus die Flucht leicht bricht. Gerade diese Brechung erbringt die optische Wirkung des Marktplatzraumes.


 

Am 23. April 1525 versammelte sich die Einwohnerschaft Bischofsheim auf dem Marktplatz. Unter Glockengeläut. Es galt, über das Verhalten zum Bauernaufstand abzustimmen. Wer beim Erzstift, dem Statthalter, dem Bischof von Mainz verbleiben wollte, blieb stehen. Wer zu den aufständischen Bauern übergehen wollte, trat zur Seite. "Da tratten sie alle eynhelliglich uff die seitten." Was für ein historischer Satz für Bischofsheim! Der sollte in Stein gemeißelt auf / am Marktplatz zu sehen sein! Es fehlt halt etwas an der Büschemer Erinnerungskultur. Das Wesentliche! Nach der Niederlage von Königshofen am 2. Juni 1525 wurden am 12. Juni 1525 zwölf Bischemer Haupträdelsführer hingerichtet. Vermutlich auf dem Marktplatz. In 10 Jahren, also 2025, wenn die 500ste Wiederkehr des Bauernkrieges ansteht, sollte die Stadt Tauberbischofsheim spätestens bisher Vergessenes nachholen und dem Aufstand ihrer Bürgerschaft gedenken und den deswegen hingerichteten Bischofsheimern. Am besten am / auf dem Marktplatz! Der Bauernkrieg war auch ein Aufstand der Bürger, der Bürger Bischofsheims.


 

1866 spielte der Marktplatz beim Gefecht um die Tauberbrücke am 24. Juli zwischen Württembergern und Preußen eine gewisse Rolle. Fliehende Württemberger wurden auf dem Marktplatz von den Preußen gefangen genommen. Die 3. und 4. Compagnie des preußischen 55. Regiments blieben nach ihrem ersten Einsatz an der Tauberbrücke, auf dem Marktplatz als Reserve stehen. Womöglich ein Grund, warum die Württemberger die Stadt mit ihren Geschützen zusammenschießen wollte. Sie hatten keine direkte Sicht auf den Marktplatz, die Preußen waren so geschützt vor direktem Beschuss.

 

 

Die enorme Größe des Marktplatzes steigert auch seine offensichtliche Leere. Seit dem Wegfall des Geleites weiß man in Büscheme mit dem übergroßen Marktplatzraum nichts mehr wirklich anzufangen. Um 1900 pflanzte man auf dem Marktplatz Jungbäume. Parallel zu den Geschäftshäusern (Siehe in Archivbilder Tauberbischofsheim, Seite 19, oberes Bild). Entlang des Gasthauses Stern zum Kaufladen Katzenstein (später Grässl). Und auch auf der gegenüberliegenden Seite. In Bildern vom Marktplatz aus der NS-Zeit sind die Bäume allerdings wieder verschwunden. Die Nazis versuchten die Größe und die Leere des Marktplatzes für ihre permanenten Aufmärsche und Appelle zu nutzen, die Volksgenossen herum zu dirigieren, die Volksmassen an den Rändern, die NS-Organisationen mehr in der Mitte des Marktplatzes anzuordnen. Raumbeherrschung statt Marktplatzflaneur (Siehe in Archivbilder Tauberbischofsheim, Seite 40). Die Marktplatzbäume wurden in dieser Zeit dem Willen zum zwanghaften Aufmarsch der Volksgemeinschaft geopfert:

 

"Es war gerad vor fünfzig Jahren:

Am Marktplatz schöne Bäume waren.

Doch störten die die Nazis wohl

bei ihrem Aufmarsch, wenn recht voll

der Marktplatz voll mit Menschen war.

Drum Bäume weg! Das ist doch klar.

Vorbei die Stille auf dem Platz,

der ohne Autos, ohne Hatz.

Die Menschen konnte sich dort ausruhn,

wenn sie mal hatten nichts zu tun

und dann ein Schwätzchen auf den Bänken.

Wer würd' nicht gerne rückwärts denken.

Die Aufmärsche waren bald zu Ende.

Die Bürger spuckten in die Hände. ..."

 

(Aus: Der Marktplatz und seine Bäume. In: Der Kröterich. Fastnacht 1984, Seite 37)

 

Als in den 1980ern wieder Bäume auf dem Marktplatz gepflanzt wurden, sägte ein Anwohner mit Hilfe eines Familienmitgliedes einige der Bäumchen an. Die Bäumchen bekamen danach ein eisernes Korsett, um weitere private "Fällaktionen" auf dem Marktplatz zu verhindern.

 

Man pflanzte auch in die Fußgängerzone einige Bäumchen. Die pflegte man einige Jahre. Dann übergab man einem Entwurfsbüro die Neugestaltung der Fußgängerzone. Dieses erachtete die vorhandene Ausstattung als reine Verfügungsmasse und die Hauptstraße als beliebig gestaltbaren Leerraum. Und ruckzuck waren die Bäume wieder weg. Innenstadtbäume haben in Büscheme nur eine Halbwertzeit merkwürdigster Modeerscheinungen. Und werden gern für diese geopfert. Innenstadtbäume in Büscheme altern nicht. Sie werden versägt. Gefällt. Beseitigt.


2016 künden Plakate und Schild am Gebäude Marktplatz Nr. 4, dass hier die AfD, ihre Abgeordnete für Wutbürgerwillen residieren will. Früher war hier die völkische Buchhandlung der NSDAP, die Zweigschriftstelle für die NSDAP-Zeitung Volksgemeinschaft - gauamtliches Organ der NSDAP Gau Baden - mit der völkisch-lokalen Beilage "Der Franke".


Im Haus Marktplatz Nr. 3 wurde Richard Trunk geboren. Schon früh zeigt sich seine musikalische Begabung. Als sechsjähriger spielte er mit der Harmonika auf der Treppe zum Elternhauses zum Tanzen auf. Nachbarskinder tanzten dazu Ringelreih. Als fünfzehnjähriger verließ er Tauberbischofsheim. Noch in der Weimarer Zeit unter Bürgermeister Diebold wurde Richard Trunk mit der Richard-Trunk-Straße für seine musikalische Leistungen geehrt. Einige Jahre später ehrte das NSDAP-Mitglied Trunk Adolf Hitler, indem er Strophen von Baldur von Schirachs vertonte. Die Karajan in Uraufführung dirigierte. Der Umgang mit Richard Trunk ist also nicht ganz so einfach. Auch wenn man es sich in Büscheme einfach macht(e). Erst 1986 fand ein erste Auseinandersetzung mit dieser Seite Trunks in Büscheme statt. Die Richard-Trunk-Musikschule macht allerdings eine sehr gute musikalische Arbeit in Tauberbischofsheim. Urteilte Friedrich Alfred Schmid Noerr, in Tauberbischofsheim aufwachsend, dass die Büschemer Bevölkerung wenig musikalisch sein, kann das heute überhaupt nicht mehr gelten.


 


Der Marktplatz hat einigen sagenhaften Stoff. Das Patrismännle lugt aus der Dachluke der alten Post heraus. Im Haus Eisenhauer gibt ein Ümgehner Klopfzeichen. Eine junges Mädchen soll 1603 auf dem Marktplatz als Hexe verbrannt worden sein. BBB S. 19   Um den Hexenturm  (75) In der Dörgei, in der Manggasse geht ein schwarzer Pudelhund um, der bis zum Marktplatz läuft und an einen Mord an einem Nachtwächter erinnern soll. Siehe Sagen und Spuksen
 


 


Im heimatkundlichen Unterricht der ersten Schuljahre wurde den Schulkindern manchmal an dieser Stelle erzählt, die Zunge des Zungenreckers wäre früher beweglich gewesen. Das erinnert an die bewegliche Zunge des Türmersturmmohrens in Weigands Frankenthaler.


 


 



 

Früher gab es hier eine Durchgangsmöglichkeit über eine kleine Gasse bis zur Kirche. Leider inzwischen unterbrochen.

Siehe: Kirchgäßchen / Pfarrgäßchen
 


 

Hier soll der Rehhof gestanden haben TuD 130. Die sieben Höfe (68)


 


 



 


 

 

Das Patrismännle soll aus der Dachluke der alten Post herausschauen

 


Das Patrismännle soll aus der Dachluke der alten Post herausschauen - mal ganz nach oben schauen

  

 

 

Es schaut tatsächlich ganz oben raus. Vorsicht, dass es einem nicht in den Korb springt oder die Hose herunterzieht.

spätes Gedenken an die jüdischen Büschemer

 

 

  

Ex-Bäume Liobakirche


  


 






Tauberbischofsheim im badischen Frankenland. Herausgegeben im Auftrage der Stadtverwaltung Tauberbischofsheim, 1934, Seite 21


Tauberfränkische Heimatfreunde e. V.: Die Reihe Archivbilder: Tauberbischofsheim. Erfurt 2005