Richtplatz am Sprait

TauberBischofsheim hatte gar zwei sogenannte Richtplätze: den Richtplatz am Sprait - hier wurde mit dem Schwert (hin)gerichtet - und das Galgenfeld, die Galgenleite oberhalb der Laurentiuskapelle (Lorenzikapelle), auf dem bis ca. 1830 noch ein Galgen stand. Ein weiterer Todesplatz befand sich bei der alten Würzburger Straße, ungefähr beim Anfang des Edelberges, genannt die Viertelspitze (Vierspitze). Hier wurde ein Viertel der Gevierteilten zur Abschreckung dargestellt.  1816 und 1820 fanden die letzten Hinrichtungen statt. Es mußte dazu jeweils ein Schafott errichtet werden. In der Verordnung zur Hinrichtung von 1820 auch Blutbühne genannt. Diese Hinrichtungen wurde in voller Öffentlichkeit vollzogen. Die Verordnung war ein detaillierter Aufmarschplan der beteiligten Amtspersonen und Bürger zum Richtplatz. Die Blutbühne war von Bewaffneten umstellt. Die fast leere Stadt wurde aus Schutz vor Plünderungen von Soldaten bewacht. Dem Publikum war es laut Ordnung nicht gestattet, den Richtplatz vor der Exekution zu verlassen. Auch der Abmarsch war geregelt. Allerdings verließen viele BürgerInnen die Hinrichtung von 1820 aufgrund der dargebotenen Grausamkeit vorzeitig den Hinrichtungsplatz. Drei Delinquenten wurden geköpft. 1816 wurde der abgetrennte Kopf noch einige Zeit auf einem Schandpfahl aufgespießt.

 

Eine Moritat mit 42 Strophen gibt dieses "gesellschaftliche Ereignis" im sonst zu ruhigen Hinterland-Kleinstädtchen wieder:

"Nach dem Hottenloch hinter,

Strömten Männer, Weiber, Kinder,

Als die Glocke 10 Uhr bot,

Konnt man weder Hüst noch Hott,

Von dem roten Blutgerüste,

Sprach Andreas bleich und triste,

Alle, die Ihr uns begafft,

Folget nie der Leidenschaft,

Darauf sah man durch den Nebel,

Plötzlich drei blitzblanke Säbel,

Hauen auf die Hälse nackt,

Fürchterlich hat es geknackt."  

 

Nach einer Sage geht am Richtplatz immer noch der Geist eines Hingerichteten um. Ein kleines verhutzeltes Männlein soll rufen "Helft mir, helft mir doch." Und dabei umherirren, die Arme immer wieder über den Kopf zusammen werfen.


Der Weg am Richtplatz vorbei zeichnet sich durch eine Kapelle mit alter Kreuzigungsdarstellung, dem Steinkreuz mit Schwert, einem Fragment eines Bildstocks und einem Sühnekreuz aus. Das weist auf eine größere Bedeutung dieses Weges hin. Kein normaler Feldweg. Von der Topografie her könnte es sich um einen Totenweg handeln. Die Dienstädter hatten lange keinen eigenen Friedhof. Ihre Toten wurden auf dem Büschemer Friedhof beerdigt. Auf dem bei der Peterskirche. Die Büschemer Juden dagegen brachten ihre Verstorbenen in Külsheim zur letzten Ruhe. Den jüdischen Totenwegen war auferlegt, Ortschaften zu umgehen.Um Külsheim herum gibt es eine sehr auffällige Häufung von Flurnamen, die in Beziehung zu Juden stehen. Die alte Geleitstraße über Külsheim konnte als direkter Zugang zum jüdischen Friedhof in Külsheim nicht einbezogen werden. Z. B. der Judenbuckel bei Eiersheim zeigt diese Abweichung an. Möglicherweise gab es neben der Auflage für jüdische Beerdigungszüge, keine bewohnten Ortschaften zu durchqueren, auch Einschränkungen bei der Nutzung der Geleitstraße. So dass Wege eingeschlagen werden mussten, die eine Umgehung ermöglichten. Der heutige steil ansteigende Kirchweg, an der evangelischen Kirche vorbei, war früher die direkte Verbindung zum Richtplatz. Ab der heutigen Wellenbergstraße durch die Bebauung unterbrochen und so in seiner früheren Funktion unkenntlich gemacht.