Findling der Geschichte

Findling der Geschichte - so lautete am Schluß des Bändchens über Tauberbischofsheim eine Kapitelüberschrift von Carlheinz Gräter. Wenn wundert es, dass hier das Interesse dem voluminösen karolingischen Kapitell, gefertigt im Kloster Holzkirchen, galt. Der Büschemer Findling blieb allerdings unbeachtet. Aber nicht unbeachtet von uns, an dem wir als Schüler bei unserem Gang in die Schule mehrfach täglich vorbeischlenderten. Nachmittags immer wieder mal auf dem Wörthplatz an ihm herumspielten, in seine Löcher wir unsere Arme und Hände steckten. An und auf ihm herumkletterten. Der Findling hatte auch als Namen den Namen Findling. Warum er dort stand, wußten wir nicht. Das störte uns auch nicht. Wir waren froh, dass er da war und unser Spiel bereicherte. Und seit wann er dort stand, wußten wir auch nicht. In kindlicher Vereinfachung nahmen wir an, dass er schon immer dort stand. Er gehörte einfach dorthin, der Findling. Und stand dort auch richtig. Wir konnten uns überhaupt nicht vorstellen, dass er irgendwann mal nicht mehr dort stand. Das war völlig außerhalb unseres büschmerischen Verständnisses.

 

Der Findling war Teil Büschemes. Auch wenn immer mehr Büschemer ab den 1960er Jahren mehr im Auto an ihm vorbeifuhren als zu Fuß vorbeikamen. Vor kurzem fragte mich eine Bekannter. "Wo ist denn der Findling?" Weg isser. Von seinem angestammten Platz vor dem Wörthplatz, gegenüber dem Hammel-Center. Nun klotzt hier für den Fortschritt (benannt Aufbruch) eine Metallplastik. (Siehe auch Bild unten) Die nur noch reines Hinschauen möglich macht. Schau her. Ich wurde für Euch, für Euer reines Anschauen gemacht.

 

 

 

Der Findling wurde abgeräumt und verbannt. Nicht mal mehr einen richtigen Platz hat er gefunden. Einberäumt bekommen. Er liegt nun. Wie eine Verkehrsbarriere am Verkehrsübungsplatz hinter der Sonderschule herum.

 

Aufgestellt wurde er sicherlich in der aufoktroyierten Amtszeit des NS-Bürgermeisters Knab. Der immerhin der Froschgraben zu Anfang seiner Amtszeit herrichten ließ. Ohne NS-Ästhetik. Mit weiteren Findlingen unklarer Herkunft. (Siehe Bilder unten) Standbildern. Figuren. Vasen. Dieses Werk eines NS-Bürgermeister blieb Bestand. Auch nach 1945. So auch der Findling. Wenn auch nicht über die Vockelsche Amtszeit hinaus. Woher die Artefakte im Froschgraben stammen, sollte man allerdings doch mal noch klären.

 

In der Reihe Archivbilder Tauberbischofsheim 2003, Tauberfränkische Heimatfreunde e.V. (Hrsg.) sieht man auf Seite 27 ein Foto des aufrechten Findlings. Seine freundliche Friedlichkeit war auch immer ein Gegenbild zum martialischen Gebaren des gegenüber stehenden Kriegerdenkmals.

 

 

 

 

 

Findling im Froschgraben

 

weiterer Findling im Froschgraben