Tauberstraße (Mühlenbachweg)

Das Signifikante der Benennung Tauberstraße verspricht viel. Eine Straße, die zur Tauber führt. Oder die Tauber begleitet. Nichts dergleichen leistet die im Abseits versunkene Tauberstraße. Abgeschnitten von der Funktion in die Wiesen entlang der Tauber zu führen, in die Richtung Impfingen zu gelangen. Wenn auch nur als Fußweg, Trampelpfad. Dunkel liegt sie da die Tauberstraße. Führte gerade noch zur Rückseite von Farbengeier, wenn es den noch gäbe. Oder zu Betriebsgebäuden des Badenwerkes - wenn es dieses noch gäbe. Die Schulbauten, Turnhallenbauten unterbrachen die Aufgabe der Tauberstraße weit hinaus zu führen. In die grüne Weite der Büschemer Gemarkung Richtung Impfingen / Hochhausen. Nicht mal zum Czinder mehr käme man über die Rumpf-Tauberstraße - wenn es den noch gäbe. Im Zürnergrundriss von 1790 wird der Weg noch als Mühlenbachweg bezeichnet. Er begleitet also den Mühlbach. Bzw. führt zu diesem. Allerdings 1790 nur ein kurzes Stück. Da stand am Anfang des Mühlenbachweges noch das Untere Schleusenhäuschen. Von hier aus floss der Mühlbach auf kurzem Wege, bzw. Bachbett in die Tauber. Von da an führte der Mühlenbachweg weiter entlang der Tauber. Die Anlage der Wiesenwässerungskanäle, die Verlegung des Mühlbacheinflusses in die Tauber einige hundert Meter Richtung Impfingen veränderte die Aufgabe des Mühlenbachweges. Durch die Begradigung der Tauber, die Anlegung der Dämme, ergab sich eine neue Möglichkeit, einen geradlinigen Weg am Tauberdamm anzulegen. Vom Wörtplatz aus. Der Mühlenbachweg dagegen führte nicht mehr direkt zur Tauber. Da war nun der tauberabwärts verlängerte Mühlkanal dazwischen. Siehe auch die Handskizzen unter WiesenwässerungEbenso Gräben des Wiesenwässerungssystems. Auf dieser Karte ist die Tauberstraße (Mühlenbachweg) im Verlauf bis zur Verlegung der Mühlbacheinmündung in die Tauber um einige hundert Meter flussabwärts zu sehen. Sie war der erste Wiesenweg entlang der linken Tauberseite, der bis Impfingen führte. Der äußerste (neue) Weg an der Tauber vom Wörtplatz aus endete auf der Höhe der Einmündung des Mühlbaches in die Tauber. Die Büschemer Geschichte seiner Bäche und Kanäle ist auch eine große Geschichte von Umbauten und Neuanlagen.


Das Thema Elektrizität ist bisher in der Büschemer Geschichtsbetrachtung wenig behandelt worden. Nach 1900 begann die Elektrifizierung Tauberbischofsheims. Auf dem Gelände des Badenwerkes wurden zwei Gebäude errichtet. Die von einem hohen Kamin begleitet wurden. Mit Generatoren wurde hier in Eigenwirtschaft einige Jahre Strom erzeugt. In Josef Heers Photographien-Schmuckband alter Machart über Büscheme ist auf Seite 111 auf zwei Photos der hohe Schornsteig und die beiden Gebäude zu entdecken. Auf dem unteren Bild ist auf dem Wörtplatz eine Trafostation zu sehen. Hier war die Stromleitung über die Tauber in die entstehende Ost-Vorstadt. Man sieht auf dem Bild auch einige der Strommasten. Auf einigen Ansichtskarten vor 1914 und auch nach 1914 (leicht erkennbar am Neubau der Stadtkirche und der Eisenbahnlinie nach Königheim) ist ebenfalls der hohe Kamin zu erblicken. Recht schnell verschwand er allerdings aus der Ansicht. Als das Badenwerk Überlandleitungen bis Büscheme errichtet hatte, verlor die städtische Stromerzeugung ihre Bedeutung. Das Ende des alte Baden 1918 spielte hier eine wichtige Rolle. Die Landeselektrizitätsversorgung wurde nun zur Sozialpolitik. Zur staatlichen Aufgabe (Siehe: Uwe Kühl: Die Anfänge der Elektrifizierung Badens 1880 - 1921. In: Die elektrische Gesellschaft. Ausstellung des Badischen Landesmuseums in Zusammenarbeit mit dem Badenwerk aus Anlass des 75jährigen Jubiläums, Karlsruhe 1996, Seite 21). "Danach übernahm das Elektrizitätsversorgungsunternehmen auch den Bau und Betrieb des örtlichen Netzes und belieferte die Endabnehmer direkt." So auch in Tauberbischofsheim. Und Umgebung. Allerdings mußte auch Druck aus der Region heraus aufgebaut werden: "Zahlreiche Proteste aus den noch unversorgten Gegenden am Bodensee sowie im Badischen Bauland führten zur raschen Einbeziehung dieser Regionen in die staatlichen Versorgungspläne." So wandelte sich die Stromversorgung Büschemes von einer stadtlichen zu einer staatlichen. Das hatte auch bauliche Auswirkungen: 


Der Kamin wurde wieder abgebrochen. Der Turm der Stadtkirche und der Türmersturm blieben die beiden Höhepunkte Büschemes baulicherseits. Von diesem Modernisierungsschub erzählt die kurze Tauberstraße. Wenn auch nur sehr leise. Man muss schon sehr genau hinhören und besonders hineinhören, um diese Geschichte aufkommender kleinstädtischer Modernität zu verstehen. Zu sehen ist vorort zu wenig. Da braucht es die Kenntnis alter Photos und eines guten Feinblickes, diese Details zu erkennen und auch zu deuten.


Die Verwaltung des Badenwerks Büscheme residierte zunächst auf dem Gelände der ehemaligen Gaststätte Volksgarten direkt bei Schloss und Türmersturm. Zog erst mit dem Neubau auf dem Wörtplatz um.


Hinter dem Badenwerk-Gelände gab es eine Wiederholung des Wiesenbewässerungsüberbrückungsbauwerkes, wie es eines über den Brehmbach gab. Zwischen Badenwerk-Gelände und dem alten Schlachthaus zog geradlinig der Mühlkanal seinen Weg, um weiter unten in die Tauber zu fließen. Der Graben der Wiesenbewässerung dagegen bog hier rechtwinklig ab und überbrückte den Mühlkanal mit einer metallischen Wandung, die mit Querstreben versteift wurde. Auch hier turnten wir herum. Allerdings hatte diese Überbrückung nicht ganz das Ausmaß die der über den Brehmbach. Der Mühlkanal wurde zudem kanalisiert. Die Überbrückung verschwand. Kaum noch einer kann sich an sie noch erinnern. Fotos davon sind unbekannt.

Skizze der Überbrückung des Mühlkanals durch die metallische Brücke des Wiesenbewässerungskanal hinter dem Badenwerk. Die Brücke hatte Querstreben. Beim Badenwerk ist noch der hohe Schornstein eingezeichnet, der vor 1930 abgerissen wurde.
Der Mühlenbachweg (Tauberstrasse) verliert den Bezug zur Tauber mit Anlage des Wiesenwässerungssystems und der Verlegung des Einzweigs des Mühlbaches in die Tauber um einige hundert Meter tauberabwärts

 

Rechts Mitte Kamin der Elektrizitätserzeugung, Ansichtskarte um 1914

 

Rechts Mitte Kamin der Elektrizitätserzeugung, Ansichtskarte um 1914