Tauberstraße

Das Signifikante der Benennung Tauberstraße verspricht viel. Eine Straße, die zur Tauber führt. Oder die Tauber begleitet. Nichts dergleichen leistet die im Abseits versunkene Tauberstraße. Abgeschnitten von der Funktion in die Wiesen entlang der Tauber zu führen, in die Richtung Impfingen zu gelangen. Dunkel liegt sie da die Tauberstraße. Führte gerade noch zur Rückseite von Farbengeier, wenn es den noch gäbe. Oder zu Betriebsgebäuden des Badenwerkes - wenn es dieses noch gäbe. Die Schulbauten, Turnhallenbauten unterbrachen die Aufgabe der Tauberstraße weit hinaus zu führen. In die grüne Weite der Büschemer Gemarkung Richtung Impfingen / Hochhausen. Nicht mal zum Czinder mehr käme man über die Rumpf-Tauberstraße - wenn es den noch gäbe.


Das Thema Elektrizität ist bisher in der Büschemer Geschichtsbetrachtung wenig behandelt worden. Nach 1900 begann die Elektrifizierung Tauberbischofsheims. Auf dem Gelände des Badenwerkes wurden zwei Gebäude errichtet. Die von einem hohen Kamin begleitet wurden. Mit Generatoren wurde hier in Eigenwirtschaft einige Jahre Strom erzeugt. In Josef Heers Photographien-Schmuckband alter Machart über Büscheme ist auf Seite 111 auf zwei Photos der hohe Schornsteig und die beiden Gebäude zu entdecken. Auf dem unteren Bild ist auf dem Wörtplatz eine Trafostation zu sehen. Hier war die Stromleitung über die Tauber in die entstehende Ost-Vorstadt. Man sieht auf dem Bild auch einige der Strommasten. Auf einigen Ansichtskarten vor 1914 und auch nach 1914 (leicht erkennbar am Neubau der Stadtkirche und der Eisenbahnlinie nach Königheim) ist ebenfalls der hohe Kamin zu erblicken. Recht schnell verschwand er allerdings aus der Ansicht. Als das Badenwerk Überlandleitungen bis Büscheme errichtet hatte, verlor die städtische Stromerzeugung ihre Bedeutung. Das Ende des alte Baden 1918 spielte hier eine wichtige Rolle. Die Landeselektrizitätsversorgung wurde nun zur Sozialpolitik. Zur staatlichen Aufgabe (Siehe: Uwe Kühl: Die Anfänge der Elektrifizierung Badens 1880 - 1921. In: Die elektrische Gesellschaft. Ausstellung des Badischen Landesmuseums in Zusammenarbeit mit dem Badenwerk aus Anlass des 75jährigen Jubiläums, Karlsruhe 1996, Seite 21). "Danach übernahm das Elektrizitätsversorgungsunternehmen auch den Bau und Betrieb des örtlichen Netzes und belieferte die Endabnehmer direkt." So auch in Tauberbischofsheim. Und Umgebung. Allerdings mußte auch Druck aus der Region heraus aufgebaut werden: "Zahlreiche Proteste aus den noch unversorgten Gegenden am Bodensee sowie im Badischen Bauland führten zur raschen Einbeziehung dieser Regionen in die staatlichen Versorgungspläne." So wandelte sich die Stromversorgung Büschemes von einer stadtlichen zu einer staatlichen. Das hatte auch bauliche Auswirkungen: 


Der Kamin wurde wieder abgebrochen. Der Turm der Stadtkirche und der Türmersturm blieben die beiden Höhepunkte Büschemes baulicherseits. Von diesem Modernisierungsschub erzählt die kurze Tauberstraße. Wenn auch nur sehr leise. Man muss schon sehr genau hinhören und besonders hineinhören, um diese Geschichte aufkommender kleinstädtischer Modernität zu verstehen. Zu sehen ist vorort zu wenig. Da braucht es die Kenntnis alter Photos und eines guten Feinblickes, diese Details zu erkennen und auch zu deuten.


Die Verwaltung des Badenwerks Büscheme residierte zunächst auf dem Gelände der ehemaligen Gaststätte Volksgarten direkt bei Schloss und Türmersturm. Zog erst mit dem Neubau auf dem Wörtplatz um.