Cent / Zent und Cent-Gericht 

 

 

Östlich der Stadt auf der Höhe, also rechts der Tauber befand sich der Standort des Bischofsheimer Cent-Gerichtes. Heute unter dem ehemaligen Kasernengelände begraben. Das Cent-Gericht war für die Ortschaften des Cent-Bereiches zuständig. Allerdings änderte sich im Laufe der Jahrhunderte der Zuständigkeitsbereich. Einige Dörfer wurden der würzburgischen Cent Lauda, einige der leuchtenbergischen Cent Grünsfeld zugeordnet. Centgraf war der Bischofsheimer Schultheiß. Nach der Niederlage im Bauernkrieg wurden die Rechte des Cent-Gerichtes 1527 beschränkt. Schwere Vergehen richtete nun der kurmainzische Amtmann, kleinere Diebstähle, Schmähungen, das Centgericht. Gerichtstag war dreimal im Jahr und ein gesellschaftlich-öffentliches Ereignis. Alle Bürger mußten teilnehmen und auch das Centgericht schützen. Vor 1469 gab es wohl auch ein Kampfgericht, d. h. Streitereien wurden im Zweikampf entschieden. Also mehr Adelssache. Gehrig/Müller fanden in den Bischofsheimer Protokollen des Centgerichts vielfach in der Zeit der Hexenprozesse Erstaunliches: Das Centgericht lehnte oft Beschuldigungen von Zauberei als unbegründet ab. Vielfach wurden kleinere Körperverletzungen vor dem Centgericht verhandelt. Wunderlicherweise haben auch einige Pfarrer kräftig ausgeteilt. Nicht mit Worten. Nicht mit Hostien. Mit der Faust. Mit Gegenständen. Und auch ihre Pfarreimitglieder getroffen. In Wirtschaften. Und standen deshalb vor dem Centgericht. 

 

In die Schreibweise Cent schlich sich in Bischofsheim in späteren Jahrhunderten ein h ein, also wie die Zehnt, den Abgabeanteil. 1323 schrieb man noch Cent, 1495 noch Zent, 1578 noch uff der Zenth, auch under dem Zentstuhl. Für die Flur Zent werden Ackerland und Weingärten angegeben. Ein steinerner Stuhl war Sitz für den Centgraf.

 

Der Centturm, in dem die Gefangenen des Centgerichtes inne saßen, war an das untere Stadttor integriert.   

 

Im öffentlichen Raum Tauberbischofsheims ist die Cent heutzutage eine Leerstelle. Nichts verweist auf sie, nichts weist auf sie hin. Es verschwindet halt mit der vergangenen Zeit so einiges aus den Augen, aus dem Sinn. Und das gerade rechts der Tauber. Wo es wenig Steinernes gab. Die Burg in der Hadmarshellen findet sich nicht. Der Wartturm auf dem Edelberg ist nicht mit genauem Stand verortbar. Immerhin soll inzwischen ein Schild auf ihn hinweisen (lt. einer an mich gerichteten E-Mail vom September 2017). Der geheimnisvolle unterirdische Geheimgang vom Edelberg Richtung Stadt kam nicht an die Oberfläche. Der Marterpfahl der Viertelspitze beim Edelberg vergessen. Das Gelände des ehemaligen Reichsarbeitsdienstes haben die Bauten von ehemals Edeka, Bundeswehrstandortverwaltung überformt. Ok. Waren nur Holzbaracken. Die im RAD-Lager Zusammengezogenen ließen auf der Edelbergsüdseite mächtige Steinriegel verschwinden. Wenn auch mühsam und primitiv vor allem durch die eigene Körperkraft. Das Reichsarbeitslager für Frauen hat seinen Standort mit dem der Straßenbauverwaltung gerade noch gehalten. Die Pfeiler an einem Gebäude scheinen vom Architekturstil an diese Unzeit noch zu erinnern. Die Rektorskapelle zog sich wegen des Kirchenneubaues auf den Hammbergrand zurück. Der Aufklärungsbunker auf dem Brenner wich unter dem Druck der Neubaubesiedlungen. Die Ziegeleiherstellung an der Laurentiusbergstraße vor dem Ersten Weltkrieg eingestellt und eingeebnet. Das KriegsGefangenenlager auf dem Büchelberg bestand bis 1918. Auch nur Holzbaracken. Auf alten Postkarten kann man die Größe dieses Lagers sehen, erahnen. Fast 7000 Mann waren hier einkaserniert. Ungefähr die Fläche der späteren Kaserne wurde vom Kriegsgefangenenlager eingenommen. Büscheme hatte da kaum 3000 Einwohner. Auch in Distelhausen im Zobelschloss wurden Kriegsgefangene untergebracht. 


Das Gebäude des Limonadenherstellers Tuberania ist nun auch abgerissen. Eiskeller und Brunnen zugeschüttet. Vorher der Brauerei der Gastwirtschaft Hammel zugehörig. Schon mit dem Abriß der Leonhardi-Kapelle 1798 fing das Verschwinden wichtiger Artefakte rechts der Tauber an. Auch das Gegenstück zum Renaissance-Prachttor vor dem Oberen Tor, das Schmucktor gleicher Gestaltung vor der Tauberbrücke auf der rechten Tauberseite wurde von einem kräftigen Hochwasser spurenlos abgeräumt. Und nicht zu vergessen, den Verlust der offenen Edelberghohle zuungunsten einer zugedeckelten Betonwanne. Die Friedrichshöhe mußte ihren landschaftlich herausragenden Standort verlassen und zwängt sich nun an die Laurentiuskapelle heran. Kein Galgen steht mehr auf der Galgenleite. Muss auch nicht. Aber auch hier ein historischer Ort, der heute in Spurenlosigkeit verendet. Der alte Weg über den Laurentiusberg und Büchelberg nach Grünsfeld aufgelassen, verbuscht. Es findet sich schon einiges, was rechts der Tauber verloren gegangen ist. Nicht mehr da ist. Besonders die Cent. Die ist so weg, dass sich fast keiner mehr an sie erinnert. Dass es sie überhaupt mal gab. Rechts der Tauber. Auf der Höhe.