Laurentiusberg /-Kapelle - Friedrichshöhe, Laurentiusbergweg / Laurentiusbergstraße

Die Friedrichshöhe wurde beim Kasernenbau hierher verlegt. Jetzt könnte man sie fast wieder zurückverlegen. Die Säule gedenkt der Völkerschlacht von Leipzig. Allerdings war da Baden nur auf der Seite der Verlierer als Rheinbundstaat. Die Friedrichshöhe markiert sowieso mehr das Ende des Großherzogtums Badens kurz vor Bayern. Finanzmittel zur Entwicklung dieser seit der Zugehörigkeit zu Baden marginalisierten Region hatte der badische Staat sowieso nicht. So sollten symbolische Artefakte die Zugehörigkeit zu Baden betonen. Allerdings wurde die Säule von der Stadt Tauberbischofsheim 1863 - zum 50. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig - errichtet. Siehe Sockelinschrift. 

 

Als 1866 die Preußen gegen die hölzerne Tauberbrücke vorrücken wollten, stießen sie auf heftigen Widerstand. Sie durchwateten deshalb die Tauber oberhalb und unterhalb der Brücke. Die Lippe-Detmolder nahmen den Laurentiusberg (Lorenziberg) ein und besetzten die Höhe  mit der Laurentiuskapelle (Lorenzikapelle) und richteten ein verheerendes Feuer auf die Württemberger Soldaten um die Edelberghohle herum. Viele Tote und Verwundete bedeckten hier das Schlachtfeld. Benno Rüttenauer schrieb diese katastrophale Situation der Württemberger nieder (Alexander Schmälzle - Lehrjahre eines Hinterwinklers): "Ich sah die württembergischen Truppen in großer Zahl aus einem Seitentälchen hervorrücken.  'Die Dickköpfe haben noch nicht genug', hörte ich die hohe und schneidende Stimme es preußischen Obersten rufen. Dann erschollen von allen Seiten Kommandorufe, und aus den preußischen Zündnadelgewehren brach ein so massenhaftes Schnellfeuer los und mit solchem Geknatter, daß die Luft erzitterte. Ganze Reihen meiner Landsleute stürzten.Sie schlugen platt auf die Straße hin. Es war zum Erbarmen." Schmälzle befand sich in der Unterstadt. Mit guter Sicht in Richtung Brenner, Hadermannshelle, Edelberghohle. Die Preußen schossen ja auch noch aus der Stadt heraus, vom Tauberdamm, aus den dortigen Gräben heraus in Richtung der vorwärtsstürmenden Württemberger.

 

Nun weist die Friedrichshöhe noch auf eine weitere - wenn auch kleinere - Völkerschlacht hin: Württemberger gegen Preußen. Der Dummheit der Führung der Bundestruppen wurde bisher kein Denkmal gesetzt. Militärstrategisches Denken war deren Sache nicht. Die wollten zum Schluß gar noch Bischofsheim in Flammen schießen. Auf den Einwand des Offiziers von Faber, dass Bischofsheim ja zu einem befreundeten Nachbarstaat gehört, wurde davon abgesehen. Von Faber bekam deshalb ein Seitengäßchen in der Nähe zubenannt. Die Anektode, dass das badische Rückzugssignal gleich dem Württemberger Angriffssignal war, unterstreicht das nicht gelingende Zusammenwirken der süddeutschen und österreichischen Bundestruppen.  

 

Die St. Laurentiuskapelle - früher St. Lorenzikapelle genannt -, am 10. August 1723 eingeweiht mit einem erstaunlichen Ereignis: "... ist ein offenbarlich Geschrey unter dem Volckh sowohl der Stadt Bischofsheimb als Könnigheimb entsprung, als sollte sich die Bildnus des heyl. Laurentii, welches oben am Altar festgestanden, auf seinem Orth erhoben haben, vnd nach völlig abgesungener Lytaney von allen heyl. Gottes eine Dankh-Reverenz gegen Herrn Dekan und sambtlicheß Volkh gemacht." Vermutlich hatte der bei der Einweihung eingesetzte Weihrauch zu viele wirksame Inhaltsstoffe. Heute ist die Kapelle immer fest verschlossen, damit sich das Bildnis nicht völlig erhebt und möglicherweise aus dem Staub macht. Womöglich ohne Referenz.  

 

Auffällig sind die drei steinernen Kreuze an der Laurentius Kapellenwand. Auffällig wie die sieben Steinkreuze, die in Reicholzheim in eine Trockenmauer eingefügt wurden. Selbstverständlich nachträglich. Nicht ursprünglich. So eine Häufung von bedeutsamen Orten an einer Stelle ist unwahrscheinlich. Da wurde nachgeholfen. Nachträglich. Durch Zusammenstellung. Von Kreuzen. Von verschiedenen Stellen. Eines der drei Kreuze stand in der Brachenleite. Kündet von einem Mord. Ein Kaufmann sollte von Würzburg aus hier vorbeigekommen sein. Dann hätte er sich wohl verirrt haben müssen. Da die Brachenleite für einen aus Würzburg Kommenden nicht die richtige Flur fürs Durchkommen ist. Allerdings sind hier die alten Geleitwege zu beachten. Es gab auch einen Geleitweg nach Grünsfeld. Über den hätte der Würzburger Kaufmann kommen können. Er könnte ja in Grünsfeld seine Waren umgeschlagen haben können. Auf dem Schalksberg stand ja früher ein Wartturm. Der auch besonders der Beobachtung des Geleitweges diente. Dieser Geleitweg nach Grünsfeld ging über den Laurentiusberg, wohl über die Steig (Siehe dazu Bernhard Sprotte, Aus der Geschichte der Tauberbrücken. Kreuzwertheim 1977, Seite 104) weiter zur Brachenleite. Mit einem Küferhammer soll der Kaufmann erschlagen worden sein. Und das Steinkreuz soll genau darauf verweisen. Seit der Renovation der Laurentiskapelle und der beiden Steinkreuze ist auch wieder auf den linken Kreuz der Küferhammer zu sehen.

 

Neben dem Galgen (Galgenleite, Galgenfeld) soll ein Steinkreuz gestanden haben. Ein Landwirt bearbeitete seinen Acker mit seinem Sohn zusammen. Der war von der Arbeit ermüdet und nahm auf dem Pflug Platz. Die Zugtiere erschrocken beim Galgen. Von dem herab ein Gehenkter baumelte. Der Sohn kam unter den Pflug. Verlor den Kopf. Sauber vom Rumpf getrennt. Das Steinkreuz erinnert daran. Mit einem eingemeißelten Pflug. Nun an der Laurentiuskapelle.

 

Im alten Büscheme gab es Sagen und Lieder von Huben. Das Hubbenliedle. Die Sage vom Hubenmännlein. Diese Sage schließt die Laurentiuskapelle mit ein. Deren Ursprung. Zur Erlösung des Hubenmännleins gedacht. Dieses spukte auf der Brachenleite herum. Hörbar als Trompetenstöße. Die Töne gingen über den Büchelberg.  Als würden Jäger nach Hause kommen. Einer ging diesen Geräuschen nach. Bis an die Tauber. Dort verschwand das Geräusch im Lärm. Dem Heulen des Hubenmännleins. Einer errichtete die Laurentiuskapelle. Um das Hubenmännlein zu erlösen. Seitdem war Ruhe. Mit dem Hubenmännlein. Vom Hubenmännlein.

 

Nicht genug damit. Mit Sagen um die Errichtung der Lorenzikapelle. Eine geht noch. Eine muss noch sein. Ein Bauer namens Dürr äußerte im Spätsommer den Bedarf, dass die Ernte vom Büchelberg endlich heimgebrächt würde. Der uralte Knecht des Bauerns hörte den dringenden Wunsch, die Aufforderung. Dieser ging noch spät abends über die Steig zum Feld. Bauer Dürr eilte diesem nach. Verwundert über den spätabendlichen Gang des uralten Knechtes. Auf dem Büchelberger Feld  hörte er die Worte: "Schneid wacker, schneid hoch, schneid nieder, schneid fein". Verängstigt ging der Bauer nach Hause. Furcht vor dem Fruchtzauber des Knechtes. Als der Knecht nach Hause kam, teilte er dem Bauer mit, dass die Ernte zuhause wäre. Der Bauer, erschrocken, verängstigt vor dem Furchtzauber des Knechtes, entließ den Alten. Auf seinem Acker ließ er zum Gegenzauber eine Kapelle erstellen. Die Lorenzikapelle. Bei der Einweihung stieg das Bildnis des Hl. Lorenzi in die Höhe, verneigte sich vor den Anwesenden. Die diese himmlische Bewegung bezeugten. Der Bauer beackerte nun im Glauben einer himmlischen Segnung seine Äcker. Ohne den alten Knecht. Die Moral der Geschicht: Geh nie über die Steig. Des Büchelberges. Wenn du mit dem Teufel im Bund. Entlassung droht. Und Kapellenbau. Drum verbünde dich mit der Gewerkschaft. Und nicht mit dem Teufel. Hilft bei drohender Entlassung.  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf diesem Kreuz soll früher eine Schlinge = Erinnerung an den Galgen zu sehen gewesen sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2015 wurde die Laurentiuskapelle renoviert. Sowie die Steinkreuze. Beim Eröffnungsgottesdienst wurde diesmal keine Verneigung des Hl. Laurentius vor der versammelten Gemeinde verzeichnet.